5. Bericht

Unterwegs in Florida

Hallo liebe Freunde und Bekannte,

unser letzter Bericht liegt nun schon mehr als einen Monat zurück. In dieser Zeit hat sich viel getan, besser, wir haben viel gesehen. Berichten wir der Reihe nach:

Am 10. November sind wir nach gut 2.000 mi Fahrt in Florida. Jacksonville ist die erste Stadt, die wir erreichen. Hier wollen wir uns beim AAA (ADAC der USA) für die weiteren Planungen Unterlagen besorgen.

Soweit es geht, fahren wir auch in Florida in State Parks. Hier ist ein gesicherter Standard zu erwarten.

Wir fahren nordwärts in den "Little Talbot SP", ein Park für Naturliebhaber, der inmitten von Salzwasserlagunen liegt. Für uns nicht so geeignet. Es geht danach nach Süden.

An der Straße ein Hinweis auf "Kingsley Plantation". Nach unseren Recherchen müsste es eine alte Plantage mit Herrenhaus sein. So ist es denn auch. Die Anlage liegt 2,5 mi von der A1A weg am Fort George River und ist auf einer Gravelstraße zu erreichen. Wir fahren durch Urwald. Die Plantage wurde 1813 – 39 errichtet und ist eine der letzten ihrer Art aus dem alten Florida. Neben den Herrenhäusern sind noch 23 Ruinen von Sklavenhäusern erhalten. Diese Häuser, besser Hütten, sind aus Muschelbeton gebaut. Muschelbeton besteht aus Sand, Muscheln, Leim und Wasser und brennt nicht.

Auf der Plantage wurde Zuckerrohr, Mais und Baumwolle angebaut. Das Herrenhaus liegt sehr schön am Fort George River.

An der gesamten Ostküste Floridas ziehen sich die US 1 und US A1A hin.

Bei Jacksonville sind es auf Meilen nur Geschäftstraßen. Ein Laden, Tankstelle, Restaurant am anderen. Das gefällt uns keinesfalls.

In Jacksonville fahren wir ab der JCT # 90 E, FL auf der A1A, einer neuen Strecke. Sie ist viel schöner als die nördliche Teilstrecke bis zum Johns River. Der Hwy. ist schon breiter und gepflegter. Die Malls werden kultivierter und kleiner, besser exklusiver. Mehr und mehr Parks mit Wohnanlagen sind jetzt rechts und links des Hwy. Große Rasenflächen davor, gestaltet mit Hügeln, Bäumen, Seen mit Springbrunnen und Blumen.

Wir halten auf dem Parkplatz "Midway Beach" des Guana River SP.

Wir laufen über die Straße und auf einem Holzsteg über die Dünen. Auf dem Dünenkamm ein Ausblick auf geraden Strand von etlichen Meilen. Er verliert sich jeweils im Dunst am Horizont. Wir sind auf der "anderen Seite des Teichs" am Atlantischen Ozean.

Es ist nicht nur ein Sandstrand. Hier liegen Millionen und Abermillionen Muscheln aller Größe. Natürlich sammeln wir wieder feste.

Wir sehen uns St. Augustine an, das eine spanische Vergangenheit hat.

Wir verlassen die Küste und fahren die nächsten Tage zu verschiedenen State Parks in der Mitte Floridas, wobei wir immer noch oberhalb Orlandos sind. Es ist eine Fahrt durch die Natur. Bald ununterbrochen Wald. Uns fällt auf, dass hier kein Herbst ist. Die Bäume haben durchweg noch ihre grünen Blätter. Keine herbstliche Färbung.

Jeder State Park hat eine andere Besonderheit zu bieten. Die Darstellung und Bewahrung der natürlichen Gegebenheiten liegt jedoch im Vordergrund, wobei diese Parks aber für die Naherholung eine große Rolle spielen. An den Wochenenden sind keine freien Campsites zu bekommen.

Bei der Anmeldung der Hinweis, dass wir für das Campfeuer kein Holz aus dem Wald nehmen dürfen und nichts an den Bäumen aufhängen sollen. Wanderwege durchziehen einen Urwald. Seen in nächster Nähe. Ich laufe zur Boat Ramp. Hier steht ein Schild, dass man im See nicht schwimmen darf, weil es Krokodile gibt.

Wir machen Feuer, um die Moskitos zu vertreiben. Später grillen wir darauf unser Abendessen.

So vergeht ein Tag nach dem anderen. Wir bummeln von Park zu Park und fahren Zick-Zack durch Central Florida.

Im Silver River SP wandern wir. Der Weg führt durch Urwald. So wie die Natur sich entwickelt, so lässt man sie gewähren. Viele hohe Kiefern und alte Eichen. Am Boden sehr viele Palmen und junge Bäume. Dazwischen ein schmaler Waldweg. Sand und viele Blätter. Also doch
Herbst, nur auf eine andere Art.
Wir kommen nur langsam voran. Hier ein Magnolienbaum, dort eine Flechte, dann ein Schmetterling, Pilze, Eichhörnchen, die in den Bäumen herumspringen und laute Geräusche verursachen wenn sie in die Palmwedel springen.
Dann sind wir am Silver River. Zuerst auf einem Steg durch Sumpf, dann stehen wir am Fluss mit glasklarem Wasser. Jeder Fisch ist zu erkennen. Eine wunderschöne Urwaldschneise. Aus dem Wasser springt ein Fisch fast einen Meter hoch.

Auch auf dem Rückweg noch etliches zu sehen. Plötzlich hält Bruni mich fest. 10 m vor uns am Wegrand im Unterholz ein Gürteltier,
1 Gürteltier
das den Boden durchsucht. Wir kommen bald bis auf einen Meter heran. Erst als mir Bruni die Äste für ein Foto wegbiegt, rennt es knurrend davon.

Auf einem anderen Trail kommt man wieder bis zum Fluss. Auch hier am Fluss wieder die eigenartige Urwaldstimmung. Der träge fließende, glasklare Silver River, der Wald bis an die Ufer, Wasserpflanzen. In der Mitte haben sich Bäume verklemmte. Auf diesen Bäumen sonnen sich Schildkröten. Auch hier wieder Schmetterlinge und Eichhörnchen.

Wir wechseln in den Blue Spring SP. Im Blue Spring SP ist eine Quelle. Man denke aber nicht an die Fuldaquelle in der Rhön. Hier beginnt die Fulda als kleines Bächlein ihr Leben. Nein, der Blue River ist sofort ein Fluss. Aus dem Boden drückt eine Quelle eine solche Menge glasklares Wasser, dass ein Fluss abfließt.

Jeden Tag kommen aus ca. 40 m Tiefe 104 Million Gallons Wasser mit 72°F, d.h. ca.
4 Millionen m³ mit ca. 21°C.

Von November bis April kommen in dieses relativ warme Wasser die westindischen "Manatees", eine besondere Sehenswürdigkeit für diesen SP. Leider war weder ein Manatee noch ein Aligator zu sehen. Auch der Schwarze Bär, der hier in den Wäldern lebt, zeigte sich nicht.

Gegen 05:30 pm EST kommt im Fernsehen die Meldung, dass im Blue Spring SP Manatees gesichtet wurden. Zur gleichen Zeit kreiste ein Hubschrauber über der Mündung des Blue River in den St. Johns River. Ich bin die gesamte Strecke des Nachmittags nochmals abgelaufen. Manatees waren nicht zu sehen. Dafür sind mir auf dem Steg an der Quelle gleich drei Waschbären begegnet.

5 Manatees

Manatee

Bevor wir heute abfahren, laufe ich nochmals hinunter zum River.

Auf dem Weg zum Schwimmsteg kommen mir etliche Personen in Bademäntel entgegen. Da können keine Manatees da sein, da bei ihrer Anwesenheit nicht geschwommen werden darf. Auf dem Steg dann einige Personen, die ins Wasser schauen. Ich kann es fast nicht glauben. Unter dem Steg suchen zwei Manatees nach Nahrung. Es sind recht große Exemplare. Ich mache rasch einige Aufnahmen und hole dann Bruni. Gemeinsam sehen wir uns dann an, wie insgesamt vier Manatees unter dem Steg und dann mitten im River schwimmen und Nahrung suchen. Nach einiger Zeitkommen sie an die Oberfläche und holen neu Luft. Ein Tier hat eine dreifach eingekerbte Schwanzflosse. Es muss verletzt worden sein, denn die anderen Tiere haben solche Kerbungen nicht.

Dies ist eine Sensation für uns. Wir sind nur zwei Tage in diesem SP und haben das überaus große Glück, hier vier Manatees zu beobachten, die nur über den Winter in den hiesigen warmen Gewässern sind. Wir können es kaum glauben. Jetzt müssen wir uns Unterlagen beschaffen, um uns über diese Tiere zu informieren, denn hier in FL macht man viel Aufhebens darüber.

Wir fahren wieder zur Küste, nach Daytona Beach und weiter nach Merritt Island. Da kann man sich nicht viel darunter vorstellen. Sagt man aber Cap Canaveral und Kennedy Space Center ist jeder sofort informiert, wo es hingehen soll. Nämlich zum Raumfahrtzentrum der USA.

Der heutige Tag steht also im Zeichen der Raumfahrt. 1 KSC Shuttle 

Shuttle

Zuerst sehen wir uns die versch. Ausstellungen im Visitor Complex an, darunter den Raketengarten und den Shuttle Explorer. Nicht zu beschreiben die vielen einzelnen Exponate aus der gesamten US Raumfahrtzeit.

Ein besonderes Erlebnis das IMAX-Kino mit dem Film "The Dream is Alive" mit Aufnahmen vom Raketenstart und Bildern der Erde aus dem Weltall.

Mit dem Bus werden wir dann zum Apollo / Saturn V Center gebracht. Hier sehen wir den Kontrollraum und die riesiege Saturn V Rakete in div. Abschnitte aufgeteilt. Modelle und Einzelteile lassen erkennen, wie die ganze Mission funktioniert.

Danach fahren wir zum "Merritt Island National Wildlife Refuge". Unsere Nachbarn vom Campground haben uns noch gesagt, dass wir den "Black Point Wildlife Drive" fahren sollen, da könnten wir viele Tiere sehen.

So ist es denn auch. Alle Sorten Wasservögel und Reiher bevölkern dieses Marschgebiet. Zwei Besonderheiten können wir nennen, wir sehen einen Alligator und den "Weißkopfadler", das Wappentier der USA.

Die Kamera ist ununterbrochen im Einsatz.

Eigentlich möchten wir hier in Florida an der Küste entlang fahren. Dazu ist die A1A die richtige Straße. Wir fahren auf zwei Brücken über den Indian und den Banana River. Dann sind wir im Ort Cape Canaveral. Diese Überquerungen sind landschaftlich sehr reizvoll, denn man hat von den Brücken eine weite Sicht auf die Flüsse, die dazwischen liegenden Inseln und die vielen Boote. Das blaue Wasser und der locker bewölkte Himmel heben noch die Stimmung. Man kann aber nirgends an den Brückenköpfen halten und auf die Brücken laufen. Es gibt keine Fußwege.

Ab Cape Canaveral fahren wir die Atlantic Ave. S. Man stellt sich darunter sicher schöne Aussichten aufs Meer vor. Da stehen aber die Häuser davor. Der Strand ist in amerikanischer Manier (ein Laden neben dem anderen usw.) zugebaut. Selten ein Ausblick.

In Cocoa Beach ist es nicht anders. Erst ein Stück weiter, bei der Patrick Air Force Base, sind wir am Strand. Hier auch etliche größere Parkplätze, aber die einzelnen Buchten so klein, dass wir mit dem Womo nicht halten können. Da wir einen Platz für das Mittagessen suchen, fahren wir wieder zur US # 1 S, FL. Wir wollen in Melbourne auf dem Parkplatz einer Mall dann halten. Der Hwy. führt jedoch am Indian River entlang an der Stadt vorbei und es kommt keine Mall. Dafür jedoch einige schöne Stellen am Fluss.

Erst viel später glückt es uns, eine Mall zu finden, wo wir parken können. Bei dieser andauernden Fahrt durch irgendwelche Orte formuliere ich erneut, dass ich mir die Fahrt durch Florida so nicht vorgestellt habe. Wobei das schlimmste Stück (die Strecke nach Miami) jetzt erst beginnt. Wir wollen deshalb wieder landeinwärts fahren.

Wir fahren nochmals hinüber zur # A1A. Hier liegen feine Ressorts in riesigen Parks hinter Schranken, Eisentoren und Kontrollstellen. Schöne Golfplätze und teuere Villen, mit Anlagestellen für Boote, säumen weiter die Straße. Das Meer muss man erahnen. Überall Palmen, englischer Rasen und blühende Sträucher. Möchte man tauschen? Wir sagen für uns nein!

Wir drehen nun ins Landesinnere ab. An dem Hwy. viel Pinienwald und Sumpfgebiete mit den entspr. Reihern etc. Unsere Begeisterung dafür hat schon merklich nachgelassen.

Wir kommen erstmals an einer größeren Orangenplantage vorbei. Ich hatte nach den Sumpfgebieten gerade überlegt, ob die Floridaorangen irgendwoher importiert werden! Es gibt sie also doch!

Insgesamt ist diese Fahrt ins Landesinnere von Florida eine Fahrt zurück in die Natur. Am Hwy. Wald statt Malls, Tankstellen und Inns.

Wir sind in Pahokee. Wir stehen auf einem Campground direkt am Lake Okeechobee.

Dieser See soll mit 570 square miles der zweitgrößte Frischwassersee Continental Amerikas sein. An der tiefsten Stelle ist er 24 Fuß tief. An vielen Stellen aber so flach, dass man eine Meile vom Ufer entfernt die Vögel noch im Wasser laufen sieht.

Wir stecken fürs Abendessen den Grill an und essen bei untergehender Sonne am Tisch vorm Womo, allerdings bei ständigen Moskitoangriffen.

Wir stehen mit Blick auf den See. Er liegt ganz ruhig da. Als wir beim Frühstück sind, schwimmt direkt am Ufer ein Otter vorbei, taucht ab und kommt ein Stück weiter wieder hoch. Wir machen hier eine Woche Urlaub!!! Wir füllen den Tag mit Müßiggang. Sitzen im Freien und schauen auf den See. In den Ufersteinen kleine Eidechsen. Ab und zu kommt ein Boot vorbei. Oder wir 4 Great White Heronbeobachten die Vögel.

                     Heron

Gestern, beim Abendessen, kam Wind auf. Die Nachbarn sagten, wir sollten uns auf Sturm einstellen und keine Angst haben, wenn der See bis ans Womo käme. Das hat uns veranlasst, alles so zu verstauen, dass nur noch Strom und Wasser zu trennen waren, um den Platz bei Gefahr unmittelbar zu räumen. Hierin haben wir schließlich seit Salice und den Wasserfällen von Ouzoud Erfahrung.

Als wir ins Bett gehen, müssen wir schon alle Dachklappen schließen, so stark ist der Wind. Das Womo wird ordentlich gerüttelt. Das blieb die ganze Nacht so. Als ich einmal wach wurde, habe ich mich ins Führerhaus gesetzt und auf den See geschaut. Der Wind blies die Wellen direkt und gerade aus Norden ans Ufer, die dort mit einer hohen Gischt zerstäubten und Strand und Womo nass machten.

Beim Frühstück können wir dann richtig beobachten, wie die Wellen, die bald 80 cm hoch sind, in den Ufersteinen zerstäuben. Der Wind ist immer noch so heftig, wie in der Nacht. Dies bleibt so den ganzen Tag. Dazu ist die Temperatur von gestern Nachmittag von 42°C in der Sonne, auf 12°C heute Morgen im Schatten gefallen. In der Sonne sind es nur knapp 23°C. Da hat man schon wieder den Heizofen an!

Unsere nächste Station ist Fort Lauderdale. Nach dem Reiseführer ein "Klein Venedig" in USA.

Auf der A1A fahren wir entlang der Flaniermeile am Strand. Mit $ 50 wird bestraft, wenn man mit dem Womo hier anhält oder parkt. Womos kann man hier nicht gebrauchen. In den Häfen und an den Liegeplätzen liegen in unbekannter Millionenhöhe Boote aller Größen. Für diese Leute und die Jetset muss der Ausblick frei sein.

Wir fahren durch Miami, dem wir nichts abgewinnen können, nun nach Homestead, dem Ausgangspunkt zu den Everglades. Von Homestaed bis nach Flamingo, am Ende der Straße im Nationalpark, sind es über 40 Meilen.

 1 Everglades    2 In den Everglades

              In den Everglades

Unser erster Stopp ist bei Royal Palm. Hier gibt es zwei interessante Trails. Den "Anhinga Trail" und den "Gumbo Limbo Trail". Der Anhinga Trail führt anfangs an einem kleinen See und einem Kanal entlang. Dann kann man auf einem Steg einen Rundgang durch bzw. über ein Sumpfgebiet machen.

Gleich zu Anfang im See und im Kanal Alligator. Wir sehen verschiedene Vögel und im glasklaren Wasser Florida Hornhechte, amerik. Forellenbarsche und eine "unechte" Karettschildkröte (so die Bezeichnung im offiziellen NP Führer). Auch vom Steg sehen wir nochmals Alligator.

Den Gumbo Limbo Trail, der durch einen Mangrovenwald führt, brechen wir nach einigen Metern ab, da uns die Moskitos überfallen.

Wir sind in Flamingo, nach unserer Meinung die südlichste Stelle des Festlandes der USA. Der Campground liegt direkt an der Küste. Ein weitläufiges Gelände. Es gibt jedoch an den Stellplätzen weder Wasser noch Strom. Wir erhalten die Campsite No 54 gleich am Anfang mit Blick auf die Bay.

Etwa 200 m entfernt, dicht am Ufer, ein großer Platz nur für Zelte. Hier tummeln sich die Geier. Während ich das Grillfeuer in Gang bringe, schaue ich durchs Fernglas nach den Geiern. Ich traue meinen Augen nicht, da bei den Geiern ein ausgewachsener Alligator Richtung Wasser läuft.

    3 Alligator in den Everglades

Ich rufe aufgeregt Bruni, damit sie sich das ansieht und renne mit der Camera zum Alligator. Dieser liegt, als ich in gutem Abstand Halt mache, jetzt im Gras und rührt sich nicht. Dann erhebt er sich doch noch und strebt zum Wasser, macht noch eine Pause im Ufergras und entschwindet dann in der Bay. Das war das Erlebnis für die Everglades, das noch gefehlt hat.

Auf dem Platz nur noch ein Womo, sonst nur Zelte. Es ist herrlich ruhig. Wir sitzen vorm Womo und durch die Luft schwirren hunderte von Libellen. Sonnenuntergang gibt es keinen. Der Himmel hat sich mit Regenwolken bezogen.

Nun wollen wir zu den Florida Keys. Die Verkehrsader auf den Keys ist die # US 1, der Oversea Hwy.

Die # US 1 S, FL ist stark befahren. Anfangs geht es noch durch die Sümpfe, dann wird die Straße beidseitig von bis zu 6 m hohen Hecken gesäumt. Vom Meer sieht man nur etwas, wenn eine Lücke ist.

Wir übernachten im John Pennekamp Coral Reef SP. Hier gibt es Fahrten mit dem Glasbodenboot zu den Korallenriffs. Das Boot ist ein Katamaran mit im Boden eingelassenen Scheiben.

Zwei oder drei Meilen vor der Küste ist das Riff. Wir haben genügend Sonne, um den Meeresboden gut zu sehen. Die Scheiben haben Nummern und ein Crewmitglied erläutert die Fische, die wir sehen. Es schaukelt ordentlich. Aber man kann die Korallen, die Pflanzen und die Fische sehr gut sehen. Es sind Fische in allen Farben: blaue, schwarze mit gelber Schwanzflosse, gelb-schwarz gestreifte, schwarz-weiß gestreifte, welche mit Punkten usw. Der größte Fisch war ein kleiner Hai von ca. einem Meter.

Wir fahren die # US 1 S, FL, die weiter von hohen Hecken und Bäumen gesäumt wird. Auf langen Strecken wieder alle möglichen Einrichtungen, insbesondere werden Boote angeboten. Vom Wasser sieht man nichts. Das dauert noch eine Strecke.

Erst bei Teatable Key sind wir längere Strecken direkt am Wasser ohne Hecken und Bäume. Die Keys sind hier auf einigen Meilen so schmal, dass auch keine Bebauung besteht.

Jetzt kommen einige große Brücken. Die Indian Key Bridge und die Channel 2 und 1 Brücken. Die Brücken sind mehrere Meter über NN, so dass man eine gute Aussicht hat. Links von uns der Atlantic, der in der Sonne glitzert. Rechts die Florida Bay. Das Wasser ist gletschergrün. Dort wo Untiefen sind, ist es dunkel gefärbt. Es ist ein interessantes Farbenspiel. Hier bei MM 73 und MM 71 (Channel 5) sind wir unmittelbar am Wasser.

034 Florida Keys Keybrücke

Kurz darauf sind wir bei MM 67,5 bei der "Long Key State Recreation Area", bei der zwar alle Campsites unmittelbar an der Atlantikküste liegen, bei der aber auch unmittelbar dahinter die # US 1 vorbeigeht.

Vom Womo blicken wir direkt auf den gletschergrünen Atlantic, der bei unserer Ankunft gerade Ebbe hat.

Beim Start am nächsten Morgen starker Regen. Als wir bei Long Channel sind, wird der Regen immer stärker. Die Sicht wird immer schlechter. Auf einmal sind wir durch die Regenfront durch und haben wieder schönes Wetter mit Sonne.

Wir fahren nach Maraton über die 7-Mile-Bridge, eine neue Straße. Daneben die alte Brücke, die vergammelt. Hier unten geht die # US 1 sehr oft ganz dicht am Wasser entlang oder über Brücken. So habe ich mir eigentlich auch die Keys vorgestellt. Es gibt auch etliche Stellen, wo man parken kann.

Wir übernachten auf Big Pine Key in der Fishing Lodge. Von hier bis Key West sind es nur 33 Meilen. Wir machen nach dort einen Ausflug.

Wir haben uns schon gedacht, dass es in Key West Parkprobleme für unser Womo geben wird. Aber dass es überhupt keinen Parkplatz in der Nähe der alten Downtown gibt, damit haben wir nicht gerechnet.

Die letzten 33 mi vom Campground nach Key West sind nicht überwältigend. Die # US 1 geht mitten bis in den Ort. Entlang der Bay der Hafen. Hier ist der "Roosevelt Blvd." noch breit und hat einige Shopping Center mit Parkplätzen. Dann nennt sich die # US 1 Truman Av. Ab der Whitehead St. wird sie jedoch für uns nicht mehr befahrbar. Das Fort Zachary Taylor ist damit gestrichen. Wir kurven durch etliche Straßen, bis wir in der alten Downtown sind. Hier fahren Touristenbähnchen herum. Auch das streichen wir, weil es keinen Parkplatz gibt.

Auf unserer Rundfahrt sehen wir etliche hübsche Häuser im alten Stil, die auf Grundstücken mit viel Baumbestand stehen. Parkplätze für PKW gibt es überall in reichlicher Auswahl. Es sind auch viele Roller- und Radfahrer unterwegs. Beides wird an allen Ecken zur Miete angeboten.

Das war dann unser Besuch in Key West, dass nur für die Touristen so aufgeplustert wird. Von besonderer Atmosphäre, evtl. sogar noch im Stil von Hemingway, kann keine Rede sein. Hier zählt nur noch das Geschäft. Wir sind etwas ernüchtert, ob dieser Feststellung, hätten es aber wissen sollen. Aber so schlau ist man nur, wenn man dort war.

Unsere Rückfahrt beginnt auf der # US 1 N bei Mile "Null", die auf 113 Meilen über 42 Brücken geht und als "scenic section" bezeichnet wird.

Wir haben den Wendepunkt dieser Reise bereits überschritten. In Key West, als wir ab MM 0 der # US 1 zurück nach Big Pine Key fahren, haben wir quasi den Rückweg bei diesem ersten USA Aufenthalt angetreten.

Heute dann weiter nach Norden. Hinter uns liegen rd. 6.000 Meilen und schon eine Menge Erinnerungen und Erfahrungen und jeden Tag lernen wir etwas Neues dazu. Heute z.B., wie man für einen Florida State Park eine telefonische Reservation durchführt.

Die Fahrt nach Homestaed auf der # US 1 N, FL ist nochmals eine Zusammenfassung des bisher hier auf den Keys Gesehenen. Wir sind an unseren beiden Übernachtungsstellen vorbeigekommen und können nochmals alle Brücken und Channel anschauen.

Beim Frühstück haben wir überlegt, ob es hier auf den Keys "schön" ist. Eine richtige Antwort haben wir darauf nicht gefunden. Allenfalls sind wir der Überzeugung, dass dieses Gebiet, genau wie die Everglades, etwas Einmaliges hat, das man sich schon ansehen sollte. Überhaupt ist "schön" eine Eigenschaft, die wir Menschen unterschiedlich auslegen. Sonst könnte es ja auf dieser Welt nicht diese bunte Vielfalt geben.

Es beginnt also ein weiterer Abschnitt auf unserer ersten Reise mit unserem US-Motorhome. Am Ende dieser Fahrt sind wir in Californien, dem wir jetzt jeden Tag ein Stück näher kommen. Und es wird bis dahin noch viel zu sehen sein, wenn man in den Reiseführer schaut.

Und gleich am nächsten Tag, auf der Fahrt von der Ost- zur Westküste Floridas, gibt es wieder viel Natur zu sehen. Wir fahren die # 41 W – dem Tramiami Trail. Neben uns, auf der rechten Seite, ist ein breiter Kanal, der uns etliche Meilen begleitet. Die Straße geht schnurgerade geradeaus. Irgendwann – wir haben kein Merkmal – beginnt auf unserer linken Seite wieder der Everglades NP.

Auf großen Schildern wird dann am Straßenrand angezeigt, dass wir uns nun im "Big Cypress Preserve" befinden.

Hier ist dann neben uns auf der rechten Seite nur noch ein schmaler Kanal, der an den meisten Stellen nur ca. 5 Meter breit ist. Je länger wir fahren, desto mehr Tiere sehen wir. Alle Arten von Herons und anderen Reihern. Zuerst sehen wir einen Alligator, dann noch einen und immer mehr dieser Spezies liegen hier in der Sonne. Es sind hunderte, die sich hier sonnen. Gelegentlich auch noch Schildkröten. Wir fahren langsamer und halten mehrmals, um ganze Alligatorgruppen zu fotografieren.

Wir stehen schon den ganzen Nachmittag in einem Campground im Big Cypress Preserve, als gegen 5:00 pm EST ein Ranger bei uns hält, der uns registrieren möchte. Es scheint nur um Statistik zu gehen, denn der Campground ist kostenlos. Er fragt, warum wir nicht 14 Tage bleiben wollen? So kommen wir ins Gespräch und erzählen von den vielen Alligator, die wir heute gesehen haben. Er meint, hier gäbe es nicht nur Hunderte, sondern Tausende. Auch hier im See seien einige, die immer wieder eingefangen und weggebracht werden, aber die immer wieder kommen.

Bis zum April sinkt hier in diesem Gebiet der Wasserspiegel, so dass weite Gebiete trocken fallen. Die Alligator wandern dann zur # 41 und in den See und es sind dann wie gesagt, Unmengen die hier leben.

Wir erfahren, dass alle genug zu fressen haben, nur einmal am Tag fressen und nur fressen, wenn die Temperaturen über 15°C liegen.

Alligator haben kaltes Blut und liegen deshalb in der Sonne, um beweglich zu sein. Diesmal ist in unserer unmittelbaren Nähe allerdings kein Alligator aufgetaucht.

Bruni + Norbert  "On Tour in USA"

Collier-Seminole SP, FL, 12 – 14 – 2003

 

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