4. Bericht

Mit dem Motorhome unterwegs in USA

Hallo liebe Freunde und Bekannte,

wie angekündigt diesmal ein Bericht, wie wir hier in USA in und mit unserem Womo leben. Alle wird dieser Bericht evtl. in einigen Einzelheiten nicht interessieren, aber wir wissen von einigen Freunden, die eigentlich gerne noch genauere Beschreibungen hätten.

Fangen wir damit an, dass viele USA Bürger nie in ihrem Leben die engeren Grenzen ihres Wohnortes verlassen, ausgenommen als Soldat zu Kriegsschauplätzen auf dieser Welt.

Verlassen sie jedoch einmal die USA und kommen sie auf einem Internationalen Flughafen zurück, genau wie die vielen Touristen, die nach USA reisen. Bis zur Gepäckausgabe sind noch alle gleich. Danach wird aufgeteilt in "Citizen" und "Visitors". Dies bleibt jetzt so für den ganzen Aufenthalt. Die USA-Bürger sind "Permanent Residents" und haben damit Anspruch viele Vorteile, die dem Besucher nicht offen stehen. Wir können davon einiges berichten.

An dieser Stelle der Hinweis, dass Brunis Schwester bei Minneapolis lebt und sehr gute Freunde von uns bei St. Louis. Ohne deren Hilfe wären wir mit unserem Vorhaben gescheitert.

Unser Vorhaben, in einem in USA gekauften Womo die Staaten zu bereisen, wollten wir dadurch erleichtern, dass wir uns eine "ID-Card", besorgen wollten, d.h. einen Personalausweis. Nach einigen Rückfragen wurden wir beschieden, dass wir dazu noch einige Formulare der Immigrationsbehörde beschaffen müssten. Unmöglich für uns, da wir nur ein Besuchervisum vorweisen können.

 1 Auf der I - 80  

Unterwegs auf der Interstate # 80

In Californien übernehmen wir unser "Motorhome". Der Verkäufer kann uns nur eine Versicherung für die Fahrt nach Minneapolis geben, indem wir einen Womo-Mietvertrag für einige Tage abschließen. Für "Non Residents" ist seine Versicherung nicht bereit, einen Vertrag abzuschließen.

Wir sind nun Besitzer eines US-Motorhomes. Welche Unterschiede bestehen jetzt zu unseren deutschen Womos. Die Motorleistung lassen wir außer Betracht.

Wir haben einen Alkoven mit einer Bettgröße von 150 x 250 cm. Außerdem ein Bett im Heck von 150 x 190 cm. Der Tisch gibt noch ein Notbett von 100 x 170 cm. Als Esstisch für 4 Personen zu klein.
Dann gibt es eine Doppelspüle, einen dreiflammigen Gasherd mit Backofen, eine Dunstabzugshaube, eine Mikrowelle und einen Kühlschrank von 70 l mit Tiefkühlfach von ca.
35 l. Dann ist noch eine Klimaanlage da und die Fahrerkabine hat ebenfalls Klimaanlage. Stromversorgung 12 V mit 2 Batterien. Kein Solar. Benzingenerator mit 4,7 Kw und Versorgung aus dem Haupttank. Frischwasser 175 l. Zwei Abwassertanks mit jeweils 100 l für Grau- und Schwarzwasser. Boiler ca. 12 l. Keine WC Kassette. Gas etwa 2 1/ 2 11 kg Flaschen.

Ich glaube das ist alles.

Außenanschlüsse alle auf der Fahrerseite, ausgenommen Gas. Tankfüllstutzen, Wasseranschlüsse für Tank- und Stadtwasser, Strom 30 Amp, TV und Telefon in der Heckgarage. Stromsteckdosen außerdem nochmals in einem Staukasten neben der Eingangstür.

Bei der Übernahme konnte ich mir nichts unter einem Stadtwasseranschluss vorstellen. Damit ist der direkte Anschluss des Womo an Wassernetz gemeint. Auf jedem Campground ist am Stellplatz ein Wasserhahn. Dort schraubt man seinen Schlauch an und dann ans Womo und bekommt damit das Wasser aus dem Netz, ohne Pumpe. Jedoch nur für WC, Dusche und Kochen geeignet. Stark gechlort. Trinkwasser kauft man im Supermarkt die Gallone für ca.
$0,60.

In der Heckgarage liegt ein daumendickes Kabel mit Stecker. Im Boden ein Schraubdeckel. Dreht man diesen Deckel auf, kann man durch das Loch sein E-Kabel zum Anschluss ziehen. Bisher waren alle E-Anschlusskästen auf den besuchten Campgrounds gleich. Immer ein Anschluss für 30 Amp über einen besonderen Stecker. Dazu ein Anschluss für 20 Amp für Normalstecker. In einigen Fällen noch ein Anschluss für 50 Amp.

Die Ausstattung der Campgrounds ist im AAA Campbook und div. anderen Campbüchern beschrieben.

Je nach Qualität des Platzes variiert die Ausstattung des Stellplatzes und damit des Preises für die Übernachtung.
Ein Platz mit "Full Hook Up" hat Strom, Wasser, Entwässerung + evtl. TV und auch noch
Telefon. Die Liste der TV Stationen erhält man mit der Anmeldung.
Nimmt man nur einen Platz mit Strom und Wasser, gibt es auf dem Platz eine "Fixed Dump Station", die in vielen Fällen "Gästen" nicht zugänglich ist.

Also ein Koaxkabel mitbringen oder hier kaufen. Wal Mart hat genügend.

Auf allen Campgrounds sind die Anschlüsse auf der Fahrerseite.

Was soll das alles, fragten wir uns. Wir möchten doch wie bei uns "Frei stehen" Nach knapp 50 Tagen USA sagen wir, das geht hier grundsätzlich nicht! Warum? Der Amerikaner liebt Outdoor mit Campfeuer und Grill über alles. 2 Campground am Lake Okeechobee Trotzdem verlangt an manchen Stellen das Klima nach einer Kühlung. Die großen "Busse" haben sogar zwei Klimaanlagen. Oder die Moskitos fressen einem auf. Wir haben inzwischen einen normalen Staubsauger, einen Heizlüfter (schon oft gebraucht), eine Espressomaschine, einen Toaster und einen Elektrowasserkocher. Wir machen uns keine Gedanken, welche Geräte gerade laufen. Und sparen dadurch Gas.Außerdem sind die "Sehenswürdigkeiten" oder Outdooraktivitäten meist in State Parks. Dort und an vielen anderen Stellen (Rest Areas) ist "Overnight Camping" verboten. Das bedeute schlicht, man darf nicht stehen wo man will, oder

                  Campground am Lake Okeechobee

 es schön ist. Meist gehört das Gelände auch Privatpersonen, einfach am Briefkasten zu erkennen, der am Highway steht.

Trotzdem haben wir "frei" übernachtet. Die Einkaufmalls haben riesige Parkplätze. Oder an den Interstates die Tankstellen. Dort kann man einfach halten. Bei Wal Mart oder anderen Einkaufsketten, die 24 Std. geöffnet haben, sollte man fragen, ob man einige Stunden auf dem Parkplatz stehen darf. Keinesfalls nach "Overnight" fragen. Meist bekommt man dann die Erlaubnis.
Auf den Campgrounds gibt es außerdem "Restrooms", also WC und Dusche. Meist sehr sauber und mit warmen Wasser.

Für die Campfeuer muss man sich "Firewood" kaufen. In bald allen State- und Nationalparks ist es verboten, Holz vom Boden aufzuheben.

 8 Campfeuer  

Campfeuer

Beim Strom darauf achten, dass man Adapter mitbringt, wenn man deutsche Geräte dabei hat, die nicht 110 – 230 V vertragen. 220 V Ladegeräte funktionieren nicht. Man braucht dazu einen Trafo. Batterien kann man überall kaufen. Für die Batterien der Digitalkamera braucht man das vorgeschriebene Ladegerät, das auch für 110 V geeignet sein muss. Laden dann kein Problem, da ja man ständig am Strom ist.

Das war alles nur zur Womoausstattung und zum campen. Davor standen für uns aber noch einige Hürden:

Zuerst mussten wir uns um eine Versicherung fürs Womo kümmern. Brunis Schwester rief bei ihrer Agentur an. Für "Non Residents", für uns also, war man zu nichts bereit. Nach langen Verhandlungen einigten wir uns darauf, dass wir in den Versicherungsvertrag von Brunis Schwester aufgenommen werden. Der Haken dabei ist, dass sie jetzt Miteigentümerin des Womos ist. Außerdem verteuern unsere "Tickets" (Strafzettel) ihre Versicherung. Das entscheidende Problem bei einem Versicherungsvertrag ist, dass man die persönliche "Sozialversicherungsnummer" angeben muss. Ohne diese Nummer und ohne den Führerschein läuft in USA so gut wie nichts. Wir kommen noch darauf zurück.

Die Police kommt nach Wochen mit der Post. Die Versicherungsbeträge sind zu überweisen.

Eine Alternative zur Versicherung des Womos hatten wir in Deutschland geprüft. Dort versichert man deutsche Womos, die mit nach USA genommen werden und nach einem halben Jahr wieder das Land verlassen müssen. In USA zugelassene Womos, die auf Dauer dort bleiben, werden nicht versichert.

Einmal bei einem Versicherungsagenten, prüften wir gleich auch noch eine Lebensversicherung. Mich hätte man gerade noch versichert, aber zu einem Preis, der den deutschen Konditionen entsprach. Bruni lehnte man aus Altersgründen ab.

Der erste Schritt war getan. Wir hatten jetzt eine Versicherung, aber auch einen Miteigentümer.

Der nächste Schritt dann die Registrierung. Auf der Behörde wie bei uns etliche Fragebogen. Kein TÜV!

Beim Verkauf füllt der Verkäufer den "Title" aus, das ist bei uns der Brief. Hier wird der Preis und der Käufer eingetragen. Bei uns jetzt auch Brunis Schwester. Der Kaufpreis bestimmt die "Sales Tax". Man prüft den Preis nach einer "Blauen Liste". Auch hier musste Brunis Schwester ihre Sozialversicherungsnummer als Identifikation nennen. Dann ist noch die Kfz-Steuer zu zahlen. Am Ende hatten wir die Nummernschilder, aber noch keinen Title. Der wird Wochen später mit der Post geschickt. Dazu muss man seine Adresse angeben. Ein Problem, das man als Tourist nicht lösen kann. Dann sind die Folgebeträge der Kfz-Steuer zu zahlen. Man bekommt dann einen Aufkleber, der aufs Nummernschild muss.

Dies ist alles nicht zu bewältigen, sofern man keine Vertrauensperson in USA hat, der diese Aufgaben übernimmt.

Wir hatten jetzt eine Versicherung und Nummernschilder. Damit konnten wir starten.

Wir haben jetzt aber auch finanzielle Verpflichtungen, die regelmäßig zu bezahlen sind. Deshalb wollten wir bei einer Bank ein Konto eröffnen. Für Touristen unmöglich. Ohne Sozialversicherungsnummer kein Konto. Also auch hier wieder Brunis Schwester, die einspringen musste. Jetzt haben wir ein Konto, etliche Schecks und Brunis Schwester als Co-Kontoinhaber.

Jetzt stand nur noch unsere Erreichbarkeit während unser Tour zur Debatte. Einmal wurden Sicherheitsaspekte und dann Erreichbarkeit zur Information vorgetragen. Bereits in Deutschland informierten wir uns erfolglos über die Verwendbarkeit eines Handy, hier Cellphone genannt.

Die Auswahl der Telefongesellschaften und der Angebote ist groß.

Die einfachste Möglichkeit ist jedoch die Telefonkarte, die es überall billig gibt und mit der man in ganz USA und nach Deutschland telefonieren kann. Damit kann man zwar telefonieren, ist aber nicht erreichbar. Wir strebten jedoch nach einem Handy, weil es die Möglichkeit eröffnete, in Verbindung mit dem Notebook ins Internet zu gehen und emails zu versenden. Man muss dabei aber wissen, dass die Gesellschaften unterschiedliche Gebiete abdecken und weite Bereiche überhaupt noch nicht versorgt werden. Damit werden aber auch alle genannten Gründe für ein Telefon gegenstandslos.

Dennoch gingen wir in einen Telefonladen, um einen Vertrag abzuschließen. Man glaubt es nicht, aber auch dazu ist die Sozialversicherungsnummer erforderlich. Alle anderen Varianten, die wir anboten, wurden abgelehnt.

Unser Cellphone haben wir nur bekommen, weil unsere Freunde dafür ihre Sozialversicherungsnummer zur Verfügung gestellt haben. Wir fahren also mit einem Cellphone durch die USA, das uns von unseren Freunden nur geliehen ist. Sie bezahlen die monatlichen Rechnungen und wir müssen sie ihnen ersetzen.

Ob das alles schon immer so ist oder erst nach dem 11. September so wurde, konnten wir bislang nicht in Erfahrung bringen.

Eine Erkenntnis haben wir aber gewonnen: Ohne Brunis Schwester und unsere Freunde würden wir diese Tour, so wir wie sie angelegt haben, nicht machen können. Dafür möchten wir uns an dieser Stelle ganz herzlich bedanken.

In zwei Tagen sind wir 50 Tage in USA.

Wir haben uns an das Leben in unserem "Motorhome" und die Campgrounds gewöhnt. Nur nicht an das fürchterliche Brot.

Inzwischen haben wir uns auch das recht kahle Womo mit Teppichen und Gardinen, Zudecken, Kissen etc. wohnlicher gemacht. Töpfe, Pfannen und allerlei Geräte stehen in den Schränken. Wir kochen im Womo oder grillen auf den Stellplätzen der Campgrounds. Das Feuer gehört zu jedem Stellplatz dazu.

Die Auswahl der Lebensmittel ist groß. Einige Sachen, die wir in D kaufen, gibt es nicht, da muss man sich anpassen. An Gemüse und Obst fehlt es nicht. Allerdings sind die Preise höher. Die allgemeinen Lebenshaltungskosten sind somit für uns höher, durch den derzeitigen guten Wechselkurs sparen wir aber rund 15 % ein und nähern uns somit wieder den deutschen Preisen.

Für Übernachtung zahlen wir im Durchschnitt bislang 15 Dollar. Dafür haben wir aber auch Strom, Wasser, Entsorgung, schöne Umgebung und ab und zu sogar Fernsehen.

Wir haben keine Probleme hier so zu leben.

Bis zum nächsten Bericht grüßen

Bruni + Norbert "On Tour in USA"

Lake Griffin SP, FL 11 – 15 – 2003
[60 mi NW Orlando]

 

 

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