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27. Bericht Vom Tucson nach Oakley vom 29.10. – 07.11.2004
Nun starten wir Richtung San Diego, denn wir haben wieder einmal unsere Planung umgeworfen.
Der Wettergott ist uns nicht gnädig gestimmt. Wir haben in diesem Herbst den zweiten polaren Kälteeinbruch. Von Alaska ist in den letzten Tagen ein riesiges Kältetief über die gesamte USA Westküste gezogen und hat CA und AZ viel, viel Regen gebracht. Im Organ Pipe Cactus NM ist ein langjähriger Rekord gebrochen worden. Im Norden von CA und in den Rockys sind über 1,80 Meter (!) Schnee gefallen. In Flagstaff und am Grand Canyon hat es auch etwas geschneit und die Nachttemperaturen liegen an der Frostgrenze. Da wollen wir dann doch nicht hinfahren. Wir heben uns diese Stellen halt für eine andere Tour auf.
Wir bleiben bis auf weiteres in der Sonoran Wüste. Wir fahren die # I – 8, die südlichste Interstate, die weitgehend an der mex. Grenze entlang geht. Hier gibt es große landwirtschaftlich genutzte Gebiete inmitten der Wüste. Wir sehen meist Baumwollfelder. Dort wo schon geerntet ist, sitzen an den Rändern gepresste, viereckige Ballen in der Größe von LKW Ladeflächen. Die Felder müssen jedoch künstlich bewässert werden.
Die Strecke an der # I – 8 ist keine langweilige Wüste. Rundherum immer wieder Gebirge in unterschiedlicher Form und Höhe. Der Hwy ist kaum befahren. Dort wo Wüste ist, stehen Saguaro und andere Kakteen. Die Saguaro sehen nicht gut aus. Man könnte annehmen, dass man versucht hat, sie zu zerstören, denn es sind große Stücke herausgebrochen.
Wir gehen auf einen Wüstencampground in Gila Bend, einem unbedeutenden Ort an der # I – 8 AZ. Zu unserer großen Bestürzung fährt der Slide Out nicht aus. Jetzt haben wir vierzehn Tage umsonst mit Werkstattaufenthalt zugebracht!!!
Nach Gila Bend zu beiden Seiten der # I – 8 bis tief ins Land Landwirtschaft. Auf Meilen grüne Flächen. Wir können nicht feststellen was angebaut wird. Dazwischen aber auch viele Baumwollfelder. Das wiederholt sich mehrmals. Wir sehen etliche Kanäle für die Bewässerung der Felder.
An etlichen Stellen sehen wir während des Tages auf kleinstem Raum unter Hallendächern große Rinderherden. Bruni geht von Milchwirtschaft aus. Die ganze Gegend stinkt bestialisch. Auf einer Farm müssen es Zehntausende von Kühen gewesen sein.
Auf weite Strecken fahren wir durch eine Landschaft mit tiefbraunem Lavagestein bis zur Größe eines Fußballes. Rundum schroffe Gebirgszüge aus Lava. Hier müssen damals etliche Vulkane ausgebrochen sein.
Vor Yuma müssen wir über den Telegraph Pass, der aber nur unbedeutend hoch ist. Von der Passhöhe blickt man in eine große Ebene, in der Yuma liegt. Noch im Bereich von Yuma kommen wir an den Colorado River, der Grenze zwischen Arizona und Californien.
Wir sind zurück in Californien. Hier im südlichsten CA ausgeprägte Landwirtschaft durch künstliche Bewässerung. Viele Kanäle durchziehen die Landschaft und ganze Felder werden bewässert, indem das Wasser durch Hunderte von Düsen sehr fein über die Erde verteilt wird.
Bei Ocotillo verlassen wir die flache Wüste, die hier auf NN liegt und fahren in die Berge. Das Gebirge liegt quer vor uns. Man vermutet nichts besonderes. Es ist aber eine wunderbare Strecke, durch eine fantastische Bergwelt, die sich bis nach San Diego am Pacific ausdehnt. Anfangs fahren wir durch einen Canyon aufwärts, in dem die Hänge mit riesigen Steinen be
deckt sind. Steine
Dann kommen Hochebenen mit wunderschönen Tälern und man blickt über Meilen über sich hintereinander staffelnden Bergketten. Auf den Hängen die verschiedensten Kakteen und Pflanzen (Yucca, Saguaro, Teddy Bear, Agaven etc.) und darüber ein wunderschöner, wolkenloser, azurblauer Himmel.
Wir müssen über drei Pässe hinweg und gleich am ersten Pass stehen am Rand alle paar hundert Meter Brunnen für Kühlwasser. Nach dem dritten Pass geht es auf Meilen abwärts. Die Vegetation wir immer subtropischer. Neben den verschiedensten Palmen gedeihen Pflanzen und Bäume, die wir nur vom Mittelmeerraum kennen.
In rascher Fahrt erreichen wir San Diego. Hier leisten wir uns den Luxus, den Aqua Marine Park "SeaWorld", mit seinen zahlreichen Meeresbewohnern, anzusehen. Luxus deshalb, weil uns der fünfstündige Besuch alles in allem (Parkplatz, Eintritt, ein kleiner Imbiss und ein kleiner Stoffbär für unseren Enkel Daniel) $ 130,00 gekostet hat.
SeaWorld
In San Diego überall substrophische Bäume und Pflanzen. Alles schön gepflegt und sauber. Die Häuser und Villen verstecken sich unter Bäumen und hinter Hecken. Diese Stadt gefällt uns sehr gut.
In La Jolla sind wir in einem Badeort mit besonderem südländischem Flair. Viele Straßencafés und offene Läden. Man bummelt auf den Straßen oder macht Shopping. Es ist kühl am Pacific. Die Temperatur liegt unter 20°C, nur in der Sonne fühlt man sich wohl.
Wir fahren auf dem Old Hwy 101 CA oder, wie er auch genannt wird, dem PCH. Die Buchstaben stehen (auch auf etlichen Straßenschildern) für "Pacific Coast Hwy". Es geht immer an der Küste entlang. Nur ganz wenige Abschnitte führen direkt am Wasser entlang. Von San Diego bis Malibu geht (bis auf kurze Strecken) ein Ort in den anderen über, das sind gut 160 Meilen!!!. Es ist eine einstöckige Bauweise und in den Gebäuden ist alles untergebracht, was man hier so braucht. Bremsendienst, Laundry, McDonald, Burger King, Tankstellen, Blumengeschäft etc. etc. Es fehlt nichts.
Wir fahren durch einen Ort nach dem anderen, oft ohne zu wissen, wo wir gerade sind. Draußen im Meer liegen etliche große Schiffe auf Rede. Dann kommen bei Huntington im Meer Bohrinseln für Öl, obwohl H. ein reiner Badeort ist. Direkt neben dem Hwy und im Hafengebiet stehen Hunderte von Ölpumpen, die alle in Betrieb sind.
Von Los Angeles sehen wir eigentlich nur den Flughafen. Die anderen Bereiche, durch die wir kommen, sind alles selbständige Orte. So ist der Hafen in Wilmington. Der Ort nennt sich auf Schildern "Herz des Hafens". Von Hafenbecken sehen wir nichts. Dafür aber riesige Containerplätze, Bahnanlagen mit Tankwagen und jede Menge Trucks.
Es gibt aber auch andere kleine Orte, in denen landseits Sportboothäfen sind.
Trotz der zersiedelten Landschaft und dem vielen Business ist es hier schön, denn überall stehen Palmen und südländische Bäume und es blüht überall. Dazu der wolkenlose Himmel und Sonne pur. In Santa Monica und in Malibu dann auf den Berghängen die großen Villen der Reichen und Schönen.
Es geht weiter an der Küste entlang. Noch sind wir im Schatten der Santa Monica Mts. Wir haben Flut und die Wellenreiter stehen im Wasser und warten auf ihre Welle. Draußen im Dunst große Schiffe und eine Insel, die zu den Anacapa Islands bzw. den Channel Islands gehört.
Die SR # 1 CA verlässt bald die Küste und wir sind in landwirtschaftlichem Gebiet. Hier wird Gemüse in großem Stil angebaut. Riesige Tomaten- Salat- oder andere Gemüsefelder dehnen sich hier aus. Das kann man sich in D überhaupt nicht vorstellen. Überwiegend wird alles auf dem offenen Feld angebaut. Treibhäuser sind ganz selten. Ein krasser Gegensatz zu Spanien, wo ganze Täler oder Berghänge mit Treibhäusern zugebaut sind. Es wird aber nicht nur geerntet. Alle möglichen Stufen des Anbaus sind zu sehen. Ernteeinsatz, abgeerntete Felder, Herrichtung der Felder zur neuen Saat, eingesäte Felder, auf denen gerade die Frucht aufgeht, Felder mit kleinen Pflanzen und Felder die bewässert werden.
Nach Santa Barbara gehen die hohen Berge von der Küste zurück. Davor nun grüne Foothills. In dem sich nun öffnenden Land Landwirtschaft und Orangenhaine. An anderer Stelle Weinberge. Wir kommen nach Morro Bay, das bei unserer ersten Tour unserer südlichste Stelle an der Küste Californiens war. Wir freuen uns schon auf den State Park, allerdings zu früh, denn er ist geschlossen. Warum ?
Gleich hinter dem uns unangenehmen Kraftwerk (Atom ?) ist an den Dünen und unmittelbar beim Morro Rock ein privater Campground. Hier ist Zwischenstation auf der Fahrt nach Oakley.
Morro Rock
Am Spätnachmittag fährt ein Womo mit deutschem Kennzeichen (PF) bei uns vorbei. Wir gehen zu ihnen und unterhalten uns. Wir laden sie für den Abend zu uns ein. Es sind Gisbert und Gisela aus Pforzheim. Im Gespräch ergibt sich, dass sie Graners kennen. Sie haben dort schon 1999 ein Womo gemietet. Es wird spät, so viel haben wir zu erzählen, da sie gerade in Alaska und Canada waren. Wir bleiben zwei Tage auf dem Campground. Mit Unterbrechungen immer wieder Regen. Letzte Nacht hat der Regen aufgehört. Heute Morgen ist aber alles grau. Der Himmel, das Meer und auch die Berge. Im Süden zeigen sich jedoch größere blaue Stellen am Himmel. Wir haben Hoffnung, dass es besser wird. Das Meer hat kaum Wellen.
Wir interessieren uns für das Hearst Castle bei San Simeon. Wir kommen nur bis zum Visitor Center, das gleich neben der # 1 CA, Meilen vor dem auf einem Hügel liegenden Castle, liegt. Hier muss man sich für eine von vier Touren durch das "Schloss" entscheiden. Eine kleine Ausstellung gibt einen Einblick in die "Ausstattung" des Castle. Nach unserer Auffassung ist es mehr oder weniger kitschig geraten. Die unterschiedlichsten Stilrichtungen und "Dekorationen" der Räume und auch der "Nachbau" des Hauses nach Vorbildern in Spanien (Kirche in Ronda) sowie aus Europa importierten Bauteilen lassen keine Geschlossenheit und kein besonderes Ambiente entstehen. Hinzu kommt ein Zoo, ein Theater und andere Einrichtungen. Das ganze Gebilde wurde in 28 Jahren errichtet. Der frühere Besitzer, William Randolph Hearst (1863-1951), war amerikanischer Verleger und Politiker. Er errichtete das größte Zeitungsimperium der USA. Das Hearst Castle ging nach seinem Tod 1957 in den Besitz des Staates Californien über und wurde 1958 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Wir begnügen uns mit dem Visitor Center.
Ein Stück weiter an der # 1 CA kommen wir wieder zu der Stelle, an der die See Elefanten lagern. Im Februar hat man uns gesagt, dass sie immer im Dezember hierher kommen. Nun erfahren wir, dass es erst wenige Kühe und vor allem Jungtiere sind, die schon angekommen sind. Die Masse und vor allem die großen Bullen, kommt erst im Dezember. Dann soll es hier recht eng werden und manchmal hoch hergehen.
See Elefanten
Das Wetter wird immer besser und wir haben wieder eine schöne Fahrt entlang der Küste. Wir kennen die Strecke und sind trotzdem wieder begeistert von der Landschaft. Die # 1 CA führt in etlichem Abstand um die Monterey Bucht herum. Es geht wieder durch ausgedehnte landwirtschaftliche Gebiete. Artischocken ist die Hauptfrucht, die angebaut wird. Wir machen Station an der Seacliff State Beach, dort wo wir schon bei der ersten Reise waren. Den Nachmittag haben wir in der Sonne gesessen und aufs Meer geschaut. Dabei haben wir ganz nahe am Strand eine Gruppe Delphine gesehen. Am nächsten Morgen sind es dann einige Seehunde, die sich wieder ganz dicht vorm Strand tummeln. Eigentlich wollten wir kurz vor San Francisco noch an der Half Moon Bay Beach bleiben. Wir ändern unseren Plan und fahren direkt nach Oakley / Rio Vista.
Es geht weiter auf der # SR 1 CA, die auch den Namen "Cabrillo Hwy" hat, an der Küste entlang nordwärts. Über See Nebel, auf unserer Strecke aber nur 1 / 8 Bewölkung. Die Strecke begeistert wie immer.
Californiens Küste
Dann geht es quer durchs Land hinüber nach Oakley. Die Straße führt hinauf in die Hügel und zwischen den Lower und Upper Crystal Springs Res. hindurch nach San Mateo. Von dort quert die San Mateo Bridge, die ca. 10 mi lang ist, die San Francisco Bay.
Ab Livermore kennen wir wieder die Strecke. Die Vasco Rd. führt über die Berge nach Brentwood. Beim Los Vaqueros Res. stehen die Hügel wie gehabt voller Windgeneratoren. Heute bewegt sich allerdings kein Rad. Ein leichter Nebel liegt über dem Land.
Wir sind zurück in Oakley. Der Kreis, der eigentlich keiner ist, hat sich geschlossen. Wir waren dazu 146 Tage unterwegs und sind ca. 13.000 Meilen oder gut 20.000 km gefahren. Wir haben wieder sehr viel gesehen, nette Leute unterwegs getroffen und keine Probleme, bis auf unseren Slide-Out, gehabt.
In den nächsten Tagen starten wir einen neuen Reparaturversuch. Wir haben nun noch drei Wochen bis zu unserem Rückflug nach D. Was in dieser Zeit geschieht und über unseren Rückflug berichten wir im 28. und letzten Reisebericht der zweiten Tour durch die USA.
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