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21. Bericht Skyline Drive und Blue Ridge Pkwy 13.09. – 21.09.2004
Jeden Winter lebte in Rhina das Ehepaar Keller. Im Sommer waren sie in Ashville in North Carolina, ihrer Heimat. Vom Ehepaar Keller hörten wir erstmals von den Blue Ridge Mountains und dem Parkway. Das dürfte vor zwei oder drei Jahren gewesen sein. Seit damals beschäftigt uns diese 750 km lange Panoramastraße. Nun standen wir am Ausgangspunkt in Front Royal.
Der Skyline Drive im Shenandoah NP und der Blue Ridge Pkwy bilden eine Einheit, die ineinander übergehen. Wir besuchen zuerst den Shenandoah NP und fahren auf dem Skyline Drive von Nord nach Süd. Er ist 105 mi lang und führt von Front Royal bis nach Waynesboro auf einem Kamm der Blue Ridge Mts. entlang.
Shenandoah NP
Der Skyline Drive ist von beiden Seiten von Wald und Hügelland umgeben. Fast 500 Meilen Wanderwege führen kreuz und quer über den Skyline Drive und der Appalachian Trail läuft praktisch parallel zu ihm. Der langgezogene und schmale NP verläuft seitwärts oberhalb und unterhalb der Straße, die ihn teilt. Der Drive folgt in seinem Verlauf sogar den Höhenwegen, auf denen schon die Indianer und früher Siedler gegangen sind.
Anders als die meisten National Parks liegt Shenandoah auf altbesiedeltem Gebiet. Er wurde am 26. Dezember 1935 gegründet. Um ihn zu gründen, mussten die Behörden in Virginia 3.870 private Grundstücke erwerben. Nie zuvor ein NP so gekennzeichnet wie in diesem Gebiet. In den 10 Jahren vor der Gründung zogen etwa 2.000 Bergbewohner aus dem Parkgebiet fort oder wurden umgesiedelt. Einige zogen es aber vor, ihr Leben im Park zu beschließen. Sie liegen in den abgelegenen Friedhöfen verschwundener Hofstätten.
Ein Großteil des Shenandoah bestand aus kargem Farmland, ausgewaschenen Berghängen oder zwei- oder dreimal nachgewachsenem Wald. Heute sind die Spuren der Rodungen, der Weidewirtschaft und des Ackerbaus im Schwinden begriffen und der Wald kehrt – langsam und stetig – wieder.
Fundstelle: Auszug aus dem Buch "GEO GUIDE USA – NATIONAL PARKS Ein Reise und Naturführer" Erschienen im RV Verlag, 1991, ISBN 3-575-11023-9
In kurzen Abständen folgen Overlooks nach beiden Seiten und wir blicken auf eine recht hügelige bewaldete Landschaft.
Vom Skyline Drive
Im ganzen Gebiet hier Laubwälder. Leider ist es recht dunstig und die Landschaft zeigt sich uns nur schemenhaft als blaue Silhouette.
Es ist eine wunderschöne Landschaft mit viel Abwechslung, sowohl in der Straßenführung als auch bei den Overlooks. Leider kommt die Herbstfärbung erst einen Monat später. Aber mit ihr sollen auch Tausende von Touristen kommen und dann dürfte es auf dem Skyline Drive und den Overlooks recht eng werden. Der Park wird im Jahr von über 2 Mio. Besuchern besucht, davon kommen alleine im Oktober über 400.000 .
Auf dem Skyline Drive ist Speed 35 MPH, das ist ein beschauliches fahren. Man kommt aber auch nicht weit. So bleiben wir über Nacht im Park.
Als wir auf die Campsite fahren, grast neben uns ein Deer Bock. Als ich die Registrierung weg bringe, sehe ich nochmals drei Deers und am Abend grasen erneut drei Deers bei unserer Campsite.
Deer Bock
Das letzte Stück des Skyline Drive ist zu fahren. Auf dem Campground diesig. Auf dem Drive, ist die Landschaft von den Overlooks aus kaum zu erkennen. Alles im Nebel und Dunst. Wir haben schlechtere Sicht als gestern und fahren streckenweise auch im Nebel.
Wir sind am Nordende des Blue Ridge Parkway, der kein NP ist. Auf wunderbarer Straße, die sich durchschnittlich auf ca. 2.600 Ft. Höhe über die Berge dahinzieht, geht es durch einen parkähnlichen Wald, überwiegend Laubwald. Der Eindruck wird dadurch hervorgerufen, dass beiderseits der Straße breite, gemähte Rasenflächen vorhanden sind. Auch auf dem Blue Ridge Pkwy an vielen Stellen Overlooks und Picnic Areas. Leider sehen wir sehr wenig.
Wir haben herbstliche Stimmung. Der Nebel und die fallenden Blätter sind deutliche Zeichen. Viele Bäume haben sich auch schon gefärbt. Aber zu einem Herbstwald reicht es noch nicht.
Vergangene Zeiten
Die tiefste Stelle des Pkwy ist am James River mit 649 Ft. Kurz zuvor kommen wir an den Otter Creek und den Otter Lake, ein kleiner Stausee, der über eine versetzte Steinwand einen künstlichen Wasserfall bildet. Ab dem James River geht es auf ca. 15 mi immer aufwärts zur höchsten Stelle des Blue Ridge Pkwy in Virginia, auf 3.950 Ft.
Wir verlassen den Pkwy, um zu einem privaten Campground zufahren, da es auf dem Pkwy nur primitiv Campgrounds gibt, also ohne Strom, Wasser und Entsorgung. An der Straße steht ein großes Schild, dass diese Straße für RV und Trailer nicht empfohlen wird. Ein anderer Weg wird nicht aufgezeigt. Bis zum nächsten Ort sind es 4 mi. Da es nur eine Empfehlung und kein Verbot ist, fahren wir. Die Straße ist eine etwas breitere Straße, die in zwei ganz schmale Fahrbahnen aufgeteilt ist, stark bergab geht und einige recht enge und steile Kurven hat. Die Probleme sind die Kurven, denn auf dem Teer sind deutliche Kratzspuren von aufgesessenen Fahrzeugen zu sehen. Wir kommen ohne Probleme durch.
In Buchanan ist ein vom AAA empfohlener Campground, der recht versteckt in einem Tal an einem kleinen Creek liegt. Die Ausführungen des Campbooks hätten mehr erwarten lassen. Es ist in erster Linie ein Campground für Dauernutzer, die verstreut auf dem Gelände am Bach stehen.
Oberhalb des Campgrounds wird gerade ein Wald abgeholzt. Dies löst in mir die Vorstellung aus, dass wir in einem Holzfällercamp sind, da das Office Gebäude eine knallgelbe Baracke ist, in der Campground Registration, Store, Coffee Shop und Spielsalon mit mehreren Billardtischen untergebracht sind.
Wir fahren zurück zum Blue Ridge Pkwy. In seiner Art ist das heutige Stück etwas anders. Wir fahren auf dem Kamm der Blue Ridge Mtn. und hier gibt es viele freie Wiesenflächen. Auch ist unsere Sicht nun viel besser.
Blue Ridge Pkwy
Rhododendren
Bereits gestern, aber insbesondere heute, sind auf beiden Seiten der Straße, bis weit in den Wald hinein, hohe, dichte Rhododendrenhecken, die hier in Virginia Mitte Mai blühen sollen; in North Carolina wg. der höheren Berge aber erst im Juni. Das muss dann wunderschön sein.
Wir übernachten wieder auf einem privaten Campground abseits des Pkwy in Fancy Cap, nur wenige Meilen von North Carolina entfernt.
Wir sind in Gedanken bereits dabei, einen weiteren Tag auf dem Campground zu bleiben, als wir uns das Wetter im TV betrachten. Es sieht nicht gut aus. Der Hurrican "IVAN"
(Stärke 4) zieht mit verheerender Wirkung über Nord Florida (Pensacola und Panama City), Alabama, Mississippi und Louisiana nordwärts nach Tennessee und North Carolina. Hier oben soll es dann aber nur noch sehr stark regnen. Er zieht mit 15 MPH nordwärts und für das Gebiet um Ashville und generell für die Appalachen Mts. wird Starkregen vorausgesagt. Das wird uns auch treffen. Wir ziehen es deshalb vor, nicht nur einen sondern zwei weitere Tage auf Utt's Campground zu bleiben, um die weitere Entwicklung des Wetters abzuwarten.
Mit Unterbrechungen regnet es mal stark, mal weniger stark. Wir werden aber vom Ärgsten verschont. Wir haben einen TV Lokalsender eingeschaltet, der ununterbrochen über die Situation berichtet. Danach sieht's es auch in NC nicht gut aus und es wird ständig gewarnt. Um Ashville und in den Mountains scheint es besonders schlimm zu sein. Auch in NC hat es schon Tote gegeben.
Mit einer Weiterfahrt auf dem Blue Ridge Pkwy, dürfte vorerst nicht zu rechnen sein. Wir sind damit Hurrican-Ivan-Geschädigte.
Der Regen ist vorbei. Jetzt haben wir starken Wind, der das Womo schüttelt. Das Wetter wird besser. Ab Mittag lockert die Bewölkung auf. Es werden aber immer noch Warnmeldungen für Mountain Countys durchgegeben.
War es gestern während des Tages noch recht stürmig, so war es dann in der Nacht fast windstill. Kein Schaukeln und Ruckeln mehr. Dafür aber recht kalt.
Aus den TV Nachrichten wissen wir, dass in den vergangenen beiden Tagen im Umkreis von ca. 40 Meilen zwei Tornados durchgezogen sind. Es hat dadurch etliche Überschwemmungen und Verwüstungen gegeben und über 100.000 Menschen waren über Tage ohne Strom.
Von Ashville werden auch schlimme Schäden gezeigt. Bei dem schönen Wetter heute kann man sich das gar nicht so recht vorstellen. Überall beginnen die Aufräumungsarbeiten.
Wir können von Glück reden, dass wir diesen Campground auf dem Berg ausgewählt haben und das die Unwetter hier vorbeigezogen sind.
Bei blankgeputztem Himmel und herrlicher Fernsicht fahren wir am 20.09. weiter auf dem Blue Ridge Pkwy. Wir werden ihn allerdings nicht bis Ashville fahren können, denn die Strecke geht durch den Avery County, der von dem Hurrican Ivan stark geschädigt wurde.
Im Visitor Center holen wir uns dazu nähere Angaben. Hier erfahren wir auch, dass die Schäden des Hurrican Francis am Blue Ridge Pkwy noch nicht beseitigt sind, so dass wir auch ohne Ivan nicht bis zum Ende gekommen wären. Auch das Stück von Ashville in den Great Smoky NP ist unbefahrbar und gesperrt.
Für uns sind ca. 100 mi befahrbar und wir freuen uns über das Wetter, die wundervolle Landschaft und die tolle Fernsicht. Meist fahren wir an der Ostseite der Blue Ridge Mts. und sehen unter uns Wälder, Wälder, Wälder und in der Ferne eine blaue Hügelkette nach der anderen.
Vom Blue Ridge Pkwy
Wir fahren etwa auf EL. 3.000 bis 3.300 Ft., dass sind die Angaben bei den Gap's, also den niedrigeren Übergängen. Die Straße führte aber bis auf EL 4.400 Ft. hinauf. Von hier unwahrscheinliche Fernblicke über eine wahnsinnige Landschaft.
An der Straße etliche Overlooks. Die Straßenführung ist jedoch so herrlich, dass wir ständig Ausblicke nach beiden Seiten haben.
Vom Blue Ridge Pkwy
Bis zum Visitor Center in Linn Cove Viaduct können wir einwandfrei fahren. Die herabgefallenen Äste oder umgestürzten Bäume sind von der Straße geräumt. Hier erfahren wir, dass unsere Fahrt auf dem Blue Ridge Pkwy beendet ist. Nach einer Meile ist die Straße gesperrt. Man gibt uns Hinweise, welche Straßen wir fahren sollen.
Rechts und links der Straßen immer wieder Auswaschungen oder auch ein Bergrutsch. Dort wo Bäche fliesen, sind die Wiesen und Straßen verschlammt.
Wir finden keinen offenen Campground und übernachten deshalb bei Wal Mart auf dem Parkplatz. Wir haben hier eine wunderbar ruhige und kalte Nacht gehabt.
Nun wollen wir nach Ashville, um Fam. Keller zu besuchen. Zwangsweise sind wir auf eine Umleitungsstrecke nach Ashville angewiesen. Überall an den Straßenrändern und in den Orten Spuren, die Ivan hinterlassen hat. Es ist aber eine wundervolle Mittelgebirgslandschaft, durch die wir fahren. Bei dem herrlichen Wetter eine angenehme Sache.
Kellers Haus liegt ganz versteckt in einem ca. 8.000 qm großen Waldstück. Von außen ist das Haus sehr schlicht. Innen aber alles wunderschön in Holz gearbeitet. Im Wohnzimmer keine Decke. Der Raum geht bis in den Giebel hinein.
Wir stehen auf der Zufahrt mitten im Wald und haben noch Besuch von einigen Deers. Wir haben wunderbar geschlafen. Kein Licht, kein Auto und keine Eisenbahn hat die Ruhe gestört.
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