16. Bericht

16. Bericht 

Canada Yukon Territory ( YT ) / British Columbia ( BC )
Von Whitehorse (YT) nach Prince George (BC) vom 04.07. – 14.07.05

Wir sind wieder einmal auf dem Alaska Hwy. Es gibt vom Hwy nichts zu berichten. Aber auch nichts; außer drei Raben an der Straße und dass weite Strecken zu fahren sind und die Landschaft nichts hergibt.

Nach dem Reiseführer darf man auf dem Alaska Hwy nach Dawson Creek keine Höhepunkte erwarten. Der erste größere Ort auf der Strecke ist Ft. Nelson. Bis dahin sind es schon 527 km. Eine Fahrt durch Wald und immer wieder Wald, der nur an einer Stelle verbrannt war.

Bald nach Watson Lake verlässt der Alaska Hwy auf einem kurzen Stück YT um dann endgültig nach BC zu wechseln.

        051601 Strecke Yukon Territory

                   Strecke Yukon Territory

Das ändert die Landschaft überhaupt nicht, oder – wenn man so will – ganz erheblich, denn
westl. des Hwy tauchen die Ausläufer der Rocky Mts. auf. Man fährt bald im Tal des mächtigen Liard River, der sich einen tiefen Canyon mit etlichen Stromschnellen gegraben hat.

Die Rocky Mts. sind hier oben höhere Hügel, sanft ansteigend und gerundet. Zusammen mit den grünen Wäldern und dem Liard River angenehm fürs Auge.

Der Hwy ist gut zu fahren und hat lediglich vor der Hängebrücke über den Liard eine längere Baustelle, die ständig befeuchtet wird. Dementsprechend ist das Womo wieder eingedreckt. Die gestrige Wäsche war also nur von kurzer Dauer.

           051602 Bison

                                      Bison

Heute haben wir viele Tiere gesehen. Einen Graufuchs, eine Gruppe von 19 Bison mit 5 Kälbern, eine Schwarzbärin mit Baby, eine Gruppe von 16 wilden Pferden und schließlich noch 10 Bergziegen.

   051603 Schwarzbärin mit Baby         

                   Schwarzbärin mit Baby

In der Kiesgrube, in der wir übernachten, Kot, aber nicht von Pferden und auch nicht von Bären oder Ziegen. Er hat die Form von Kuhfladen. Sehen wir, wer sie hinterlässt? Als wir am nächsten Morgen aufstehen, können wir gerade noch sehen, wer die Kiesgrube mit Kuhfladen verunreinigt. Ein Bisonbulle zieht gemessenen Schrittes am Womo vorbei.

Es geht weiter durch die Rocky Mts. Neben uns weiter der Gebirgsbach mit seinem schäumenden, weiß-grünem Wasser. Nach ca. 1 km haben wir die Grenze des Muncho Lake PP erreicht und sind damit richtig mitten in den Rockys. Rechts und links schöne Berge, aber kein Fels. Auf einigen noch Schneereste. Dazwischen ein mehre Kilometer breites, bewaldetes Tal. Aus den Bergen kommen breite Geröllfelder, die zur Schneeschmelze oder bei sehr starkem Regen bestimmt nicht trocken sind. Jetzt sind es aber nur Steinwüsten.

Der Hwy windet sich in Steigungen und Senken durch dieses Tal. Fährt man über einen Hügel, kann man auf Kilometer an der Bergkette entlangsehen.

   051604 Bergziegen           

                           Bergziegen

Der Muncho Lake, inmitten des PP, ist bei richtigem Sonnenstand hell jadegrün. Jetzt bei bewölktem Himmel ist es ein ganz dunkles grün. Auf 12 Kilometern geht es am See entlang. Es ist eine Fahrt durch eine wunderschöne Landschaft. Hinzu kommt, dass der Hwy in diesem Abschnitt in den PP nicht ausgebaut ist, d.h. neben der Straße fehlen die breiten, gerodeten Streifen, obwohl diese meist die Weideplätze der Tiere sind, die wir sehen. Der Hwy ist sozusagen "naturbelassen". Er hat den Charakter einer deutschen Landstraße bzgl. Breite und Fahrbahndecke.

Es folgen immer wieder neue Täler und andere River, manchmal reisend - aber auch nur Rinnsale in Schotterwüsten.

Wir sehen erneut viele Tiere: Eine Moosekuh mit Baby, ein Moose Jungbulle und eine große Gruppe Caribous.

    051605 Moosekuh mit Baby        

                         Moosekuh mit Baby

Beim kleinen Flecken Steamboat ist man auf einem Bergsattel mit Sicht nach beiden Seiten. Nach Westen eine weite Senke. Am Horizont steigen die Berge dann an und zwei Tafelberge beherrschen das Bild. Nach Osten bis zum Horizont flach und nur grüner Wald. Das ist schon ein unwahrscheinliches Land.

Bald danach verlässt man die Höhe und der Alaska Hwy zieht sich nun durch eine bis zum Horizont reichende Ebene mit Wald, Wald und Wald. 051606 Moose Jungbulle         

                                 Moose Jungbulle

Bei der Annäherung an Ft. Nelson verändert sich die Landschaft. Immer mehr Freiflächen tun sich zwischen dem Wald auf. An vielen Stellen erkennt man noch deutlich, dass abgeholzt wurde. Auch nach Jahren liegt noch das unbrauchbare Holz herum. Auf den Freiflächen wächst Gras, jedoch keine landwirtschaftliche Nutzung. Ab und zu einige Pferde bei Ansiedlungen.

Kommt man von Norden auf dem Alaska Hwy nach Ft. Nelson, ist man ohne großen Übergang in der Stadt, die sich ab 1987 so nennen darf und nach dem britischen Lord benannt ist. Heute leben hier ca. 4.500 Menschen.

Ft. Nelson ist ein wichtiger Umschlagplatz für Erdgas, dass irgendwo hier oben in BC gefunden wird. Über eine 800 Meilen lange Pipeline wird das Gas in den Süden BC's und in einige Bereiche der USA transportiert.
Die Holzverarbeitung spielt auch noch eine große Rolle. Hier ist die größte Fabrik in BC für Furnier- und Sperrholz.

Nach Ft. Nelson wird es eintönig. Man fährt in der Ebene. Der Hwy auf Meilen kerzengerade zwischen dem Wald. Rechts und links breite Freiflächen, in denen die Gasleitungen liegen.

Caribous      051607 Caribous 

Auch heute reist der Strom der nach Norden strebenden Trailer und Womos nicht ab. Irgendwann ist uns südlich von Ft. Nelson eine organisierte Gruppe von 18 Dickschiffen entgegengekommen. Allesamt hintereinander im Abstand von ca. 100 m. Alle werden sich irgendwo im Yukon oder in Alaska treffen. Da muss dann eine drangvolle Enge herrschen, da es schon eng war!

Wir sind in Ft. St. John und verlassen den Alaska Hwy. Nun geht es hinüber nach Prince George.

Hier ist eine ganz andere Landschaft. Es wird Landwirtschaft betrieben. Kühe auf der Weide, es wird Heu gemacht und gelbe Rapsfelder leuchten zw. den Wäldern hervor.

Der Hwy überwindet einige Höhenzüge, bis man hoch über dem Peace River herauskommt. Von einer Rest Area eine weite Sicht ins Tal nach Nordwesten. Der River mäandert sehr ordentlich und das grüne Wasser leuchtet in der Sonne. Darüber ein blauer Himmel mit vielen Cumuluswolken. Bruni möchte am liebsten hier übernachten.

Die Straße senkt sich nun ins Tal hinab und folgt dem Peace River aufwärts bis nach Hudson's Hope. So weit kommen wir aber nicht. Schon nach einigen Meilen liegt neben dem Hwy eine (unbezeichnete) Rest Area über dem Peace River. Eine wunderschöne Stelle mit weitem Ausblick nach beiden Seiten über den River. Hier bleiben wir, obwohl wir erst 49 Meilen gefahren sind.  
051608 Purplish Fritillary
                                  Purplish Fritillary

In der Nacht werde ich durch Motorenlärm wach und gehe auf WC. Aus Neugier sehe ich anschließend nach, ob noch jemand auf "unseren" Üpl. gekommen ist. Draußen ist es dunkel. Nur der Himmel ist erleuchtet. Es dauert eine Weile, bis ich begreife, dass es ein gelblich-grünes Nordlicht ist. Ich wecke Bruni und wir sehen uns das wabernde Licht an, dass die Form einer sehr langen Sturmwolke hat. Plötzlich ist dann der Himmel wieder dunkel.

Die wunderschöne Rest Area oberhalb des Peace River war nur für eine Nacht unser Üpl.

Neben uns im Tal weiter der Peace River, der mehrmals große Inseln umfließt. nach 26 km sind wir in Hudson's Hope. Auf einer Stichstraße von 22 km kommt man zum W.A.C. Bennett Dam. Der Dam staut den Peace River zum Williston Lake. Der Dam selbst ist zwei km breit und ca. 180 m hoch, wobei dies nicht sonderlich auffällt, weil es keine steile Betonmauer ist. Vielmehr ist es eine gestufte, schräge Kiesanschüttung. 051609 W.A.C. Benett Dam 

Man kann über die Dammkrone zu einem Viewpoint fahren. Von dort gute Aussicht auf die gesamte Anlage und den tief unten aus dem Berg kommenden "entstromten" Peace River, der dann einige Meilen südl. nochmals durch eine Betonmauer gestaut wird, die man vom Hwy (Brücke über den Peace) gut sieht. Hinter der Staumauer ist der Dinosaur Lake mit einem Campground, auf dem wir Mittag gemacht haben. Heute ist es uns zu früh, um schon wieder (nach ca. 50 km) den Tag zu beenden.
Beide Kraftwerke zusammen sollen angeblich 1/3 des aus Wasser gewonnen Stroms von BC erzeugen.       
W.A.C. Benett Dam

Die BC # 97 durchquert auf dem Weg von Dawson Creek nach Prince George die Rocky Mts. und hat mit dem Pine Pass (933 m NN) angeblich den einzigen Übergang auf 800 km Luftlinie zwischen dem Jasper NP und dem Alaska Hwy. Zuerst geht es aber kurvenreich durchs enge Tal des Pine River. Auf langen Strecken sind neben dem Hwy die Strommasten und Leitungen, die vom Bennett Kraftwerk kommen.

Ein kleines Schild zeigt den Pine Pass an. Die Straße hat so wenig Steigung, dass man ihn fast übersehen könnte. Am Summit Lake ist wieder einmal eine Wasserscheide zwischen Pazifik und Atlantik. Alle Gewässer nördl. der Wasserscheide werden über den Peace River und den Mackenzie River ins Nordpolarmeer geleitet. Die südl. Gewässer gehen in den Pazifik.

Auf dem letzten Stück bis Prince George (ca. 20 mi) Landwirtschaft. Die Besiedlung nimmt zu. Dafür ist die Straße in diesem Abschnitt sehr schlecht.

Prince George ist nach einer Rundtour von fünf Wochen wieder erreicht.

Prince George, BC, 14.07.2005

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