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16. Bericht Im Yellowstone NP 29.07. – 31.07.2004
Am Abend wissen wir, dass es anstrengend sein kann, Tourist zu sein und ein 3-Tage-Aufenthalt im Yellowstone NP viel zu wenig ist.
Wir starten ohne Eile und sind heute trotzdem schon sehr früh fertig, was, wie sich herausstellt, von großem Vorteil ist, denn beim Visitor Center erfahren wir, dass heute der Old Faithful schon um 9:20 am MDST (+/- 10 Min.) eine Vorstellung gibt. Wir richten deshalb unsere Planung nach diesem Termin, denn die nächste Eruption ist erst nach ca. 1 ½ Std. Wir müssen gut 20 mi. fahren. Es dauert aber länger. Old Faithful steht heute nicht mehr nur für den Geysir sondern es ist ein weitläufiger Ort, mit allen Einrichtungen für den Touristen geworden. Ein riesiger Parkplatz. Wo sollen wir hin? Wir haben zwar einen Plan, aber stehen etwas verloren auf dem Parkplatz. Wir laufen einfach den Touristen nach und stehen gleich danach in einem großen Oval mit vielen Bänken. Das Publikum hat bereits Platz genommen und als wir erscheinen, wartet Old Faithful nicht länger mit seinem Auftritt. Er dampft und dampft und der Wind treibt den Dampf in die Fontäne, so dass wir keine besondere Vorstellung gesehen haben. Als sich das Publikum zerstreut wissen wir, dass es vorbei ist. Eine leichte Enttäuschung macht sich in uns breit.
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Am Firehole River
Was nun? Wie geht es weiter? Überall stehen Tafeln, auf denen die Trails zu den verschiedenen Pools und Geysiren eingezeichnet sind. Am schönsten oder besser farbenprächtigsten ist "Morning Glory Pool". Dafür sind aber gut 6 km für Hin- und Rückweg zu laufen. Wir spazieren deshalb zuerst in Richtung Castle Geyser links des Firehole River, um umzukehren und entlang des Geyserhill dann rechts eine Loop zu laufen. Hier haben alle Pools und Geysire Namen.
Das muss man gesehen haben. Man kann die Vielfalt der Formen, Farben und das Aussehen der Pools und der Geysire nicht beschreiben. Einige Pools haben eine ganz ruhige Oberfläche, es steigen nur Blasen auf. Andere blubbern vor sich hin, als würde Eierwasser kochen.
YNP - UGB Heart Spring
Überall steig Dampf auf. Der Schwefelgeruch liegt über dem ganzen Gelände und wenn uns der Wind eine Dampfwolke ins Gesicht bläst, ist sie richtig warm und die Brille beschlägt. Die Touristen laufen aufgeregt von einer Stelle zur anderen, weil dieser oder jener Geysir gerade eine Wasserfontäne – mal hoch, mal niedrig, aber immer mit Dampf – in die Luft schleudert. Andere warten geduldig auf eine Eruption eines bestimmten Geysir, was alle 5 Minuten oder auch erst in 70 – 90 Min. sein kann. Im NP gibt es Geysire, die brechen nur alle paar Jahre aus, dann aber heftigst, mit Fontänen bis zu 100 m Höhe (z.B. der Steamboat Geyser).
YNP - UGB Pump Geyser
Unser Rundgang hat sich inzwischen auf 1 ½ Std. ausgedehnt und es ist Zeit für eine weitere Vorstellung des Old Faithful. Da wir die ganze Zeit in Sichtweite waren, sehen wir, wie sich überall die Touristen sammeln. Er lässt sich diesmal mehr Zeit und wir kommen in eine sehr günstige Position zum Wind. Deshalb sind dann die Fontänen, die er ausstößt, besonders schön.
YNP - Old Faithful
Wir fahren weiter zum Biscuit Basin, parken dort das Womo an einer wunderschönen Stelle des Firehole River und laufen nun auf einem viel kürzeren Trail zum "Morning Glory Pool".
YNP - Biscuit Basin - Firehole River
Unterwegs etliche schöne, namenlose Pools und Geysire, wobei nur Geysire Wasserfontänen auswerfen. Dafür sind die Pools viel farbenprächtiger. Morning Glory Pool ist dann auch der farbenprächtigste Pool im Upper Geyser Basin.
YNP - Morning Glory Pool
Wir arbeiten uns weiter voran. Dort wo große Parkplätze sind und kaum ein Platz zu bekommen ist, gibt es eine weitere Besonderheit zu bestaunen. Die Straßen im NP sind ausgelastet. Ab etwa 9:00 oder 10:00 Uhr fährt man nur noch in Kolonnen. Man kann sich kaum in den Verkehr einordnen, wenn man von einem Parkplatz abfahren will. Ebenso viel Betrieb herrscht in den einzelnen Basin. Wege und Stege, die hineinführen oder Loops, sind immer bevölkert. Ganze Familienclans kommen mit Kind und Kegel daher. Man hat aber immer die Objekte der Begier frei im Blick.
YNP - Ablauf Excelsior Geyser Crater
Das Midway Geyser Basin ist uns aufgefallen, weil hier die Wasser der Pools farbenprächtigst über einen Felshang in den Firehole River laufen. Über eine Brücke und auf Holzplankenwegen geht man an Wasserflächen vorbei, die in allen Farben leuchten: weiß, türkis, blau, gelb, grau und rostbraun. Das Zusammenspiel von Form und Farben in Verbindung mit den ewigen Dampfschleiern und dem Schwefelgeruch macht das Einmalige dieser Naturwunder aus.
YNP - Opal Pool
YNP - Grand Prismatic Spring
Vor Madison zweigt der Firehole Canyon Drive ab, der flussaufwärts an einem Wasserfall und einigen Kaskaden entlangführt. Hier gibt es auch einige Stellen, an denen man im River baden kann, da das Wasser von den Geysiren und Pools recht warm ist. Man machte regen Gebrauch von den Bademöglichkeiten.
YNP - Firehole River
Im Yellowstone NP liegen die allermeisten Sehenswürdigkeiten an einer Strecke, die die Form einer " 8 " hat.
Von Madison nach Canyon Village, wo wir nun hinwollen, fahren wir nun den mittleren Verbindungsbogen im Tal des Gibbon. An manchen Stellen sind wir unmittelbar am Wasser. Eine Strecke, die durch weite Täler und viel Tannenwald führt, wobei der Wald eine Sache für sich ist. Das gesamte tote Holz (auch aus Bränden) bleibt stehen, bis es umfällt und wie Mikadostäbe auf den Hängen liegt. Darunter wächst der neue junge Wald nach. So fährt man auf Meilen durch Gebiete, in denen die grauen Baumstämme wie Bohnenstangen über dem Jungwald herausragen. Keine besonders schönen Anblicke. Dafür erfreuen die Täler. Grün und von unzähligen Bächen durchzogen, sind sie ein lieblicher Anblick.
YNP - Elkweide I
Es ist inzwischen schon Abend geworden und unser Geist wird schwach. Zu unserem Campground müssen wir nun ein Stück – evtl. das schönste – am Yellowstone River entlang durchs Hayden Valley fahren.
Aber in Canyon Village beginnt der Drive durch den "Grand Canyon of the Yellowstone". Hier liegt übrigens der Ursprung für den Fluss und den NP, denn der River hat sich hier in bzw. durch gelbes Gestein gefressen. Der Canyon dürfte über 150 m tief sein und der Yellowstone River stürzt sich über zwei Felsabbrüche in die Tiefe. Der schönste Wasserfall – in dieser Größenordnung – den wir bisher gesehen haben, ist der Lower Fall.
YNP - Grand Canyon of the Yellowstone
Von mehreren Overlooks kann man in den Canyon, mit seinen gelben Wänden und auf die Falls hinuntersehen. Beim Overlook "Brink of Upper" steht man nur wenige Meter über der Abbruchkante.
Nun geht es gerafft zum Campground. Aber so schnell geht es doch wieder nicht. Hatten wir während des Nachmittags schon das Glück ganz nahe an zwei grasenden Elks (amerika. Hirsche) vorbeizukommen, sind jetzt etliche Tiere im Tal des Yellowstone zu sehen – mal nahe, mal fern. Außerdem ist das Tal eine Augenweide für sich und bietet immer wieder Gelegenheiten zum Anhalten. Auch hier blüht es wie an allen Stellen, an denen wir heute waren, in allen Farben. Streckenweise ganze Wiesen voller blühender Blumen.
YNP - Hayden Valley - Yellowstone River
Als wir am Yellowstone Lake entlangfahren, stoppen vor uns plötzlich zwei Pkw. Gleich darauf sehen wir einen Buffalo, einen Einzelgänger, der im Straßengraben frisst, sich an kleinen Bäumen schabt und nur eineinhalb Meter neben unserem Womo vorbeizieht, wobei er einen kurzen Blick aus blutunterlaufenen Augen auf uns richtet. Greift er an, oder geht er weiter, ist hier die Frage, denn aus allen drei Fahrzeugen blitzt es ununterbrochen aus offenen Seitenfenstern und strömt Menschenduft ins Freie.
Auf besonderen Faltblättern warnt die Parkverwaltung vor allen Wildtieren, auch vorm Büffel, der jederzeit unkalkuliert angreifen kann. Abgesehen vom Gewicht kann er eine Geschwindigkeit von 50 km/h erreichen und so jede Flucht eines Menschen verhindern. Man soll sich deshalb auch nicht näher als 23 m annähern. Dem Bären, vor dem an jeder Ecke gewarnt wird, gibt man sogar 93 m Freiraum.
12 Stunden waren wir unterwegs, haben im unteren Teil der " 8 " nicht alles gesehen und vor allem nicht bei jedem Geysir auf eine Eruption gewartet. Hier kann man Tage oder Wochen verbringen.
Am nächsten Tag sind wir vor sechs Uhr aufgestanden, um in der Frühe noch Tiere zu sehen. Über dem Yellowstone Lake haben wir einen rosaroten Sonnenaufgang gesehen und waren so gut wie alleine auf der Straße. Es gab nicht nur selten Autos sondern auch kaum Tiere. Einige Elkkühe und nur eine einzige kleine Büffelherde weideten dicht neben der Straße. Viel schöner jedoch das Tal des Yellowstone River. Über dem Wasser stehende Nebelschwaden hüllten die ganze Landschaft ein.
YNP - Bison im Hayden Valley
YNP - Yellowstone River im Hayden Valley
Wir fahren den South Rim des Grand Canyon of the Yellowstone bis zum Parkplatz "Uncle Tom's Trail". Wir laufen zum Overlook auf den Upper Fall. Die Sonne ist jedoch noch nicht bis in den Canyon gekommen. Der Upper Fall liegt noch zur Hälfte im Schatten. Wir frühstücken deshalb, bevor wir uns auf den Uncle Sam's Trail hinunter zum Overlook auf den Lower Fall machen. Über viele Eisentreppen geht es hinunter zu einer Plattform mit Blick auf den in der Sonne liegenden Fall. Die Wasser stürzen hier 94 m in die Tiefe. Es ist "der" schönste Fall, den wir in dieser Größenordnung bislang gesehen haben.
YNP - Yellowstone River - Lower Fall
Jetzt geht es dann nach Norden nach Mammoth Hot Springs. Ebenfalls eine wundervolle Strecke durch Täler mit kleinen Flüssen und Tannenwälder. Unterwegs halten wir bei Roaring Mountain, einem Berghang, auf dem es aus allen Knopflöchern dampft.
Eine Fahrt nach Mammoth Hot Springs, ausschließlich wegen der Sinterterrassen, wäre Zeitverschwendung, denn seit einigen Jahren ist der Wasserstrom fast ganz versiegt. Die Terrassen entstanden, als heißes Quellwasser auf dem Weg zur Oberfläche stark mit dem Kalziumkarbonat der abdeckenden Kalksandsteinfelsen angereichert wurde und dieses sich dann nach dem Austritt an der Oberfläche ablagerte. So bildeten sich nach und nach die Terrassen.
YNP - Canary Spring
Derzeit fließt nur noch an wenigen Stellen Wasser, die größte Zahl der Terrassen liegen trocken, wobei die Parkverwaltung erläutert, dass auch nach jahrelanger Trockenheit das Wasser wieder fließen kann.
Wir wandern auf Holzstegen und –treppen durch die Terrassen, denen man auch Namen gegeben hat.
YNP - Minerva Terrace
YNP - Palette Spring
YNP - Palette Spring
Wir starten in Mammoth, um über den Nordost-Ausgang den Yellowstone NP zu verlassen. Es ist auf dieser Tour der nördlichste Punkt der Reise (einige Meilen durch Montana).
YNP - Elkweide II
Nun geht es immer nach Osten bis nach Minneapolis.
Die Strecke geht durch offene Landschaft und weite Täler mit Fernsichten, weil auf den Hängen nur wenig Bäume stehen. Im Gegensatz zu den anderen Strecken ist hier auf der Straße kaum Betrieb. Bei Tower-Roosevelt Jct. überqueren wir noch einmal den Yellowstone River, der auch hier in einem felsigen Canyon fließt, um dann im Lamar Valley am Lamar River entlangzufahren. Ein traumhaftes Tal.
YNP - Lamar River
Wir sind erst wenige Meilen im Lamar Valley gefahren, als uns nochmals großes Glück beschert wird. Hier grast eine riesengroße Bisonherde, die sich im Tal verteilt hat. Ein Teil der Herde zieht gerade durch den River auf den gegenüberliegenden Hang. Bei der Herde auch Jungtiere und viele stattliche Bullen, meist in Gesellschaft einer bevorzugten Kuh. Die Bullen geben ständig grunzende Töne von sich.
YNP - Bison im Lamar Valley
Nach dem Lamar Valley fahren wir durch Tannenwälder am Soda Butte Creek entlang. Es ist jetzt wieder ein enges Tal, eingerahmt von hohen felsigen Bergen und überall fließen kleine Bäche in den Creek.
In Montana geht es hinauf zum Colter Pass mit EL. 8.066 Ft. Hier ist die Grenze zw. Montana und Wyoming. Wir fahren jetzt noch einige Meilen, um auf dem Chief Joseph Scenic Hwy., unsere Fahrt fortzusetzen.
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