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10. Bericht Canada – British Columbia (BC) Der Stewart-Cassiar Hwy vom 10.06. – 13.06.06
Stewart – Cassiar Hwy [BC # 37 / 37A] von Kitwanga nach Watson Lake mit Stichstraße 37 A nach Stewart / Hyder (Alaska)]
Die Straße von Kitwanga am Yellowhead Hwy nach Watson Lake am Alaska Hwy wurde als durchgehender Stewart-Cassiar Hwy erst 1972 für den öffentlichen Verkehr freigegeben. Teilstücke waren schon vorher befahrbar, wie z.B. die Stichstraße vom Meziadin Lake nach Stewart/Hyder. Dieser Teilabschnitt (BC # 37A) wird als Stewart Hwy bezeichnet. Er bildet zusammen mit dem Cassiar Hwy (BC # 37) den Stewart-Cassiar Hwy.
Sieht man von der Fortsetzung des TCH # 16 auf Graham Island ab, so ist er eine Sackgasse. Man muss deshalb den gleichen Weg zurück, um weiter zu kommen. Entweder bis Terrace und von dort den Nisga'a Hwy bis Cranberry Jct. – wobei die letzten 60 km grobe Schotterstraße sind – oder bis Kitwanga und dann die BC # 37, den Stewart-Cassiar Hwy.
Auf dem Stewart-Cassiar Hwy eine ganz andere Landschaft, da der hier fließende Fluss kaum zu sehen ist. Weite, mehr flache Berge – keine schneebedeckten spitzen Felsen mehr. Überall Wald. Die ersten 70 km ist die Straße recht schlecht, dann folgt eine ausgezeichnete Fahrbahn. Erst bei Meziadin Jct. tauchen wieder gewaltige schneebedeckte Felsgebirge auf. Der Meziadin Lake liegt zu Füßen solcher Berge.
Die BC # 37A ist ebenfalls eine Sackgasse. In Stewart ist Canada zu Ende. Nebenan liegt Hyder in Alaska. Sonst auf dem Landweg nur mühsam zu erreichen.
Es ist jedoch ein Stück wunderbare Natur. Die Berge ragen steil empor und die Kare liegen voller Schnee oder es stürzen große und kleine Wasserfälle darin herunter.
Besonders eindrucksvoll ist der Bear Glacier, keine 500 m von der Straße entfernt. Fällt die Sonne darauf, schimmert er blau.
Bear Glacier
Bis Stewart geht es ständig abwärts, auf einem kurzen Stück durch einen Canyon. Auf beiden Seiten kommen ständig große und kleine Wasserfälle herab. Bruni ist ganz begeistert. Neben der Straße ein tosender Gebirgsbach.
Stewart ist unbedeutend. Es liegt am Ende des 180 km langen Portland Canal. In der Mitte des Canal die Grenze CDN / Alaska. Der Ort wirkt verschlafen, da keine Saison ist. Die beginnt erst Mitte Juli, wenn die Lachse und Bären kommen. Dann kommen auch die Touristen. Die Lachse sind jedoch nicht in CDN zu sehen, sondern in Hyder in Alaska. Man muss über die Grenze und ein Stück den Salmon River entlang. Dort soll dann das Schauspiel ablaufen.
Die Dame von der Registration des Campgrounds verkündete mir, sie hätte gehört, dass schon Salmon im Canal seien und die Grizzly's bereits an dem Creek Ausschau hielten.
Könnten wir also doch einen Grizzly sehen?
Man muss nur drei Kilometer bis zur Grenze nach Alaska fahren. Die USA haben hier keine Grenzkontrolle. Von der Grenze sind es nochmals 5 km bis zum besagten Overlook, an dem sich die Bären an den Salmons satt fressen, ohne auf die Menschen zu achten. Nach 5 km Gravelroad dann ein riesiger Bordwalk an einem kleinen, schmalen, flachen Creek. Mit uns einige Touristen, aber keine Salmon und erst recht keine Bären.
Auf Schautafeln wird der Kreislauf des Lachslebens gezeigt, wenn er nicht vorher in einem Fangnetz sein Leben beendet oder vom Bär gefressen wird. Die Lachse halten sich 2 – 3 Jahre im Ocean auf und wachsen heran. Je nach Art, in Stewart-Hyder sind drei Arten von fünf in BC heimisch [coho, pink und chum] und Kondition schwimmen sie dann die Flüsse und Creeks bis zu den Laichplätzen aufwärts. Der Laich wird in den flachen Creeks zwischen den Steinen abgelegt. Danach stirbt der Lachs vor Erschöpfung. Im nächsten Frühjahr schlüpfen dann die Jungfische und wachsen heran. Mit der Strömung werden sie die Flüsse abwärts bis in den Pacific getrieben. Dort wachsen sie weiter, bis sie laichfähig sind. Der gesamte Zyklus kann 5 – 7 Jahre dauern. Wenn sie nicht der Bär gefressen hat, dann leben sie noch …..lange!
Zurück an der Grenze, werden wir im gleichen Umfang gecheckt wie bei der Ankunft auf Vancouver Island. Die Lady fragt nur nicht nach den Umständen des Besitz des Womos. Sie möchte aber wissen, ob wir Waffen an Bord haben. In Hyder muss es einiges zu kaufen geben! Wir hatten eher den Eindruck, dass es ein ausgestorbener Ort am Ende der Welt ist. Die größte und besterhaltene Einrichtung dürfte dort die US Post Office sein!
Ab Meziadin Jct. geht es dann den Stewart-Cassiar Hwy nordwärts. Da das Wetter mitspielt, sind rundum die schneebedeckten Berge wunderschön zu sehen.

Der Cassiar Hwy
Auf der Westseite sind es die Coast Mountains, im Osten die Skeena Mountains. Die Natur scheint hier noch im Gleichklang zu sein. Keine abgestorbenen "rotbraunen" Kiefern sonder die pyramidenförmigen Douglasfichten, die einen wunderbaren Kontrast zu den Schneebergen abgeben. Viele landschaftlich wunderbare Abschnitte kennzeichnen den Stewart-Cassiar Hwy. Das ist die Landschaft, unter der wir Mitteleuropäer uns das freie, weite Canada vorstellen. Auf 100 Kilometer kein Haus und kein Laden, sondern in diesem Abstand ein wuchtiges Gebirge.
Die Straße ist gepflegt und in einwandfreiem Zustand, aber nur bis zum Hodde Lake. Unterwegs an den Straßenrändern mehrfach Bärenkot. Leider ist heute kein Bär zu sehen.
Ab Hodde Lake wird die Straße schlecht bis sehr schlecht. In ganz kurzen Abständen Gravelabschnitte. Soweit noch der Asphalt vorhanden ist, Schlagloch neben Schlagloch. Die Baustelle soll 50 km lang sein. Die Fahrt eine Tortour. Alles rattert und klappert. Das Womo schüttelt sich auf den Waschbrettabschnitten. Wir fahren teilweise Schritttempo. Drei Trucks überholen in ungebremstem Tempo und wirbeln gewaltige Staubfahnen auf. Dann kommt eine Womo mit einem riesigen Hänger und donnert im gleichen Tempo an uns vorbei. Ich staune nur über so viel Kühnheit und weissage, dass dort am Abend nichts mehr an seinem Platz ist. Bruni meint, dass dieses Womo das gleiche Chassis hat wie unser Womo und trotzdem so schnell fährt.
Man hat über Fahrten auf Gravel schon viele Meinungen gehört. Eine besagt, dass man schnell fahren soll. Dann würde man die Unebenheiten nicht merken. Diese Theorie probieren wir nun aus. Nach einem längeren Asphaltstück kommt erneut auf ca. 40 km Schotterpiste. Nun steigere ich das Tempo auf 50 – 55 MPH (80 – 90 km/h) und wir "fliegen" über die meisten Unebenheiten hinweg. Es rüttelt und schüttelt viel weniger! Für einige Stellen sind wir allerdings zu schnell. Da muss man das Tempo drosseln. Insgesamt gesehen war dieser Test positiv. Er kostet allerdings Nerven und Kraft. Man muss das Lenkrad festhalten und sich absolut konzentrieren. Von der Landschaft sieht man so gut wie nichts mehr. Bruni steht vor der Besteckschublade, da sie ständig aufspringt.
Dann noch leichter Regen, da wird die Straße zur seifigen Piste.
Der Stewart-Cassiar Hwy ist noch lange nicht zu Ende. Bis nach Watson Lake am Alaska Hwy sind es noch 240 mi. Davon nochmals zwei Teilstrecken mit Gravels. Die Asphaltdecke bis zum ersten Gravelstück ist in mäßig gutem Zustand.
Am Cassiar Hwy
Auf dem ersten Gravelstück von 11 mi. haben wir Regen. Die Straße wird schlammig und glitschig. Man hat das Gefühl, dass man auf Schmierseife fährt. Trotzdem versuche ich, die Strecke mit Tempo 50 MPH zu fahren. Auf jeden Fall werden wir so richtig eingedreckt.
Dann folgt ein Stück Straße mit vielen Schlaglöchern.
Wir haben doch noch ein wenig Glück, denn einige Meilen vor Dease Lake steht mitten auf der Straße eine Elchkuh. Eine imposante Erscheinung in dunkelbraunem Fell. Wir fahren langsam heran. Sie beäugt uns und verschwindet dann in eleganter Gangart im Wald.
Dease Lake ist für uns Versorgungsstelle für Gas. Wir tanken 150 Liter zum stolzen Preis von CDN $ 1,089 per Liter. Das ist bislang der teuerste Tankstopp.
Nach Dease Lake ist wieder etwas von der Landschaft zu sehen, denn die Sonne kommt heraus. Bei 7 / 8 Bewölkung sehen Wälder, Berge und Seen viel schöner aus. Für uns ist es inzwischen eine "normale" Landschaft geworden. Es gibt an dieser Strecke keine "besonderen" Höhepunkte. Alles ist wunderschön. Es überrascht aber immer wieder die weite der Landschaft und die Entfernungen. Es folgen nach Dease Lake nochmals 31 mi Gravelstrecke, die uns inzwischen nicht mehr aufregen. Bei Tempo 50 MPH geht es flott durch Löcher und über Unebenheiten. Im Womo wird zwar alles etwas geschüttelt und verschoben, das kann man aber wieder zurecht rücken.
Einige Minuten für 12:00 pm PDST sind wir an der Rest Area am Cottonwood River, die abseits von der Straße liegt. Schon während des Mittagessen stellen wir fest, dass wir noch einige Zeit bleiben. Daraus wird dann die Entscheidung, hier zu übernachten. Wir stehen direkt neben dem schnell dahinfließenden River und werden vom Straßenverkehr nicht gestört. Überall liegen von Bibern gefällte Bäume. Die Sonne trocknet unser Womo, das im unteren Teil jetzt hellbraun ist. Die Heckseite ist bis zum Dach dick verdreckt. Ganz schlimm hat die Trittstufe ausgesehen. Da lag dicker Schlamm darauf. Mit einigen Eimern Wasser aus dem Cottonwood River haben wir sie aber wieder sauber bekommen. Bis um 11:30 pm PDST haben wir die Rest Area beobachtet. Weder ein Bär noch ein Moos tauchte jedoch auf. Auch in der Nacht haben wir erfolglos nachgeschaut.
Obwohl wir so wenig Schlaf hatten, ist Bruni versehentlich eine Stunde früher aufgestanden. Aber auch der frühe Start hat uns nichts gebracht. Kein Bär und kein Moos an der Strecke.
Die Straße sehr unterschiedlich. Mal ausgezeichnet, mal so schlecht, dass der Staubsauger aus dem Schrank geschleudert wurde, als ich mitten durch etliche Schlaglöcher fuhr.
Die Landschaft verändert sich auf den letzten 100 km des Cassiar Hwy. Die Berge werden immer runder und flacher, bis in Watson Lake unbedeutend sind. Die Straße schlängelt sich durch Mischwald.
Bald 750 km ist der Cassiar Hwy lang und weder Bär noch Moos waren zu sehen. Wir waren nur noch einen Kilometer von der Kreuzung mit dem Alaska Hwy entfernt, da sahen wir schon aus der Ferne links neben der Straße einen braunen und einen schwarzen Bären zusammen beim Fressen.
Das Unglaubliche war geschehen. Nach 750 km einsamster Strecken, mit unzähligen Kothaufen aber ohne Bären, zwei Bären auf einmal. Ein Schwarzbär und dann auch noch ein Grizzly. Wir konnten es kaum fassen. Beide Kerle fraßen im tiefer liegenden Gelände Gras etc. und ließen sich kaum von uns stören. Der Grizzly überhaupt nicht. Der Schwarzbär verzog sich etwas näher an den Waldrand.
Bären am Weg
Dann folgt die Grenze zwischen British Columbia und Yukon Territory.
Nach der Kreuzung auf dem Alaska Hwy in Richtung Watson nochmals ein Schwarzbär. Dieser jedoch nur aus ca. 500 m Entfernung. Er überquerte den Hwy und verschwand in den Büschen. Wir konnten ihn nicht mehr ausmachen.
Watson Lake, YT, 13.06.2005
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